Die erleuchtete Stadt

Juni 14, 2010

(pd) Wo Philips einst Radios, Audiokassetten und Videorekorder produzierte, soll bald ein belebter Stadtteil für Kreative entstehen. Eine kleine Forschergruppe des Unternehmens denkt sich die Beleuchtung dafür aus – und setzt damit grundlegend neue Akzente.

 

Noch bis vor kurzem trug dieser Stadtteil Eindhovens den geheimnisvollen Namen „verbotene Stadt“ – knapp 80 Jahre lang hatten zu dem ehemaligen Industriegebiet von Philips nur die Mitarbeiter des Unternehmens Zugang. Heute steht Strijp-S zwar jedem offen, viele Menschen treibt es allerdings nicht auf das Gelände, das seit der Verlegung der Firmenzentrale nach Amsterdam und der Gründung des High-Tech-Campus  vor den Toren der Stadt eine neue Bestimmung sucht. Wohnungen gibt es hier keine und auch Cafés, Restaurants und Geschäfte sucht man vergebens. Seitdem Philips hier vor zehn Jahren seine Zelte abbrach und das Gebiet 2004 an die niederländische Stadt Eindhoven verkaufte, sieht alles verlassen und veraltet aus.

Entsprechend überraschend kommt der hybridbetriebene Bus daher, der mit leeren Sitzen leise über die Straßen fährt. Wie auch die kleinen hellen Lichter, die aus dem Asphalt leuchten und sein Kommen frühzeitig ankündigen.

 

Die Lichter und auch der Bus sind die ersten Vorboten für das, was hier bis 2020 entstehen wird: Cafés, Konzerthallen, Parks sowie Ateliers, Studios und 2500 Wohnungen will Eindhoven bauen lassen, um Strijp-S zu einem modernen Stadtteil für junge und kreative Menschen zu machen. Ein ganz neues Beleuchtungskonzept, das ein Forscherteam von Philips Design derzeit entwickelt, soll die kreative Atmosphäre entscheidend mitbestimmen. Denn eine moderne Stadtbeleuchtung geht längst über bloßes Licht hinaus, das nachts für Sicherheit sorgen soll: „Licht kann einer Stadt eine ganz eigene Identität geben“, sagt Lorna Goulden, Kreativdirektorin bei Philips Design und Leiterin des Projektteams. „Es beeinflusst die Atmosphäre in einer Stadt und bestimmt entscheidend mit, ob die Menschen sich wohlfühlen.“ Wie das in Strijp-S aussehen könnte, haben die Forscher in einem Masterplan zusammengefasst; die bereits installierten Lichter im Asphalt machen nicht einmal einen Bruchteil der geplanten Installationen aus.

 

Als Goulden vor zwei Jahren den Auftrag von der Stadt Eindhoven bekam, entwickelte sie gemeinsam mit ihren Forschern zunächst einmal verschiedene Zukunftsszenarien für das künftige Kreativviertel der niederländischen Stadt. „In einem pulsierenden Viertel gibt es ständig Veränderungen in Aktivitäten und Stimmungen. Jede Situation erfordert andere Beleuchtungslösungen“, sagt die Designerin, „deswegen haben wir uns Menschen in konkreten Lebenssituationen vorgestellt, die von unseren Lichtkonzepten unterstützt werden sollen.“ Die Spannbreite reicht von der älteren Frau, die mit dem Auto nach Strijp-S kommt, um auf der Einkaufsstraße Torenallee einkaufen zu gehen, sich mittags mit einer Freundin zum Essen trifft und Strip-S am Abend wieder verlässt. Über den Bewohner, der an einem Wintertag mit dem Fahrrad frühmorgens zur Arbeit fährt. Bis hin zu einem Besucher, der an einem lauen Frühjahrsabend mit dem Bus zum ersten Mal nach Strijp-S fährt, um sich mit einem Freund in einer Bar zu treffen.

 

Geht es nach Philips, könnte die einkaufslustige Frau im Strijp-S der Zukunft bereits auf dem Weg zu ihrer Shoppingdestination an Wänden vorbeifahren, auf die Bilder der Einkaufsstraße projiziert werden – etwa im Tunnel, der den Stadtteil Eindhovens mit dem Zentrum verbindet. Auf der Shoppingmeile selbst könnten ihr später variabel erleuchtete Häuserwände den Weg weisen – je heller sie strahlen, desto näher liegt das Zentrum. Dem Besucher, der abends aus dem Bus steigt, würden selbst- leuchtende Straßenschilder die Orientierung erleichtern und der Mann, der sich frühmorgens auf den Weg zur Arbeit macht, würde von Schildern vor Autos gewarnt – diese stünden in Strijp-S jedoch nicht an der Straße sondern wären auf Hauswände projiziert.

 

„Wir wollen mit der Beleuchtung vor allem drei Ziele erreichen“, sagt Goulden. „Die Menschen sollen sich in Strijp-S wohlfühlen, sie sollen sich zuhause fühlen und sie sollen in einem Umfeld leben, in dem sie selbst zur Kreativität angeregt werden.“ Die Kreativität der Bewohner des Stadtteils könnte – inspirierend für Nachahmer - sichtbar gemacht werden, indem Einzelne die Möglichkeit bekommen, ihre eigenen Videos auf Hauswände zu projizieren. Ohnehin hält es Goulden für wichtig, den Menschen mehr Mitspracherecht bei der Beleuchtung im öffentlichen Raum zu geben: Ihr zufolge wären beispielsweise Leuchten, die aus Bäumen heraus Parkbänke beleuchten, künftig idealerweise von den dort Verweilenden individuell in Farbe und Helligkeit einstellbar – ebenso wie das Licht, das Tische auf öffentlichen Plätzen und Terrassen beleuchtet.

„Beleuchtung muss dynamisch sein“, sagt Goulden und malt ein Szenario, demzufolge sich Licht nicht nur an öffentlichen Orten individuell einstellen, sondern sich auch an unterschiedliche Tages- und Jahreszeiten anpassen ließe. So wollen die Forscher im Sommer flächendeckend eher kühleres Licht und im Winter eher wärmeres Licht einsetzen. Auch mit Veranstaltungen, die in Strijp-S stattfinden, soll die Beleuchtung interagieren: Die Mauern prall gefüllter Konzerthallen sollen in abstrakten Mustern strahlen, und Besucher sollen per Licht zum Eingang geleitet werden. „Nicht durch einfache Pfeile oder Schilder“, sagt Goulden, „sondern viel subtiler, etwa indem wir die entsprechenden Wege ein wenig heller oder mit einer schwachen Farbe beleuchten – etwas, das die Menschen bewusst gar nicht wahrnehmen.“ Welche Wirkung Licht im öffentlichen Raum hat, versucht das Team nicht nur in Zusammenarbeit mit Beleuchtungsspezialisten und Architekten herauszufinden sondern auch mit Psychologen. „Strijp-S ist wie eine Spielwiese, auf der wir mit Spezialisten aus vielen Bereichen ganz neue Ideen ausprobieren“, sagt die Lichtdesignerin.

 

Realisiert wurde - neben den Leuchten im Asphalt – bislang ein leuchtender Zebrastreifen, der die Menschen angesichts der kaum hörbaren Busse sicherer über die Straße leitet. In den kommenden Wochen beginnen die Forscher zudem damit, konkrete Lichtlösungen für zwei zentral gelegene Plätze von Strijp-S auszuarbeiten und diese dann nach und nach zu installieren. Grundsätzlich möchte Goulden bei allen Projekten das Design so minimal wie möglich halten und auch nur so viel Licht wie unbedingt nötig einsetzen. „Ein großes Problem, vor dem viele Städte stehen, ist die zunehmende Lichtverschmutzung“, sagt die Projektleiterin. Natürlich dürfe man nicht so spartanisch beleuchten, dass die Sicherheit gefährdet sei, aber sonst sei weniger oftmals mehr. Auch die Lampen und Leuchten selbst will sie weitgehend aus dem Stadtbild verbannen und sie, wo immer das möglich ist, in Fußwege oder Gebäude integrieren.

 

Die Beleuchtung nachhaltig zu gestalten ist für die Teamleiterin ohnehin selbstverständlich. So sollen weitestgehend energieeffiziente Light Emitting Diodes (LEDs) in Strijp-S leuchten. Diese können sowohl farbiges als auch weißes Licht liefern. Die geschickte Kombination aus beidem sei in der Regel die richtige Lösung. Zusätzlich arbeitet Goulden mit Materialtechnikern zusammen, die Licht mit speziellen, reflektierenden Materialien kombinieren sollen. Solche Materialien gäbe es bereits, sagt sie: Beschichte man Bürgersteige oder Straßen mit ihnen, könne man jede Menge Licht und Energie sparen.

 

Philips hat bereits einige Erfahrungen auf dem Gebiet der Stadtbeleuchtung: Seit vielen Jahren entwickelt die Sparte Lighting Produkte für die Beleuchtung des öffentlichen Raums, unter dem Namen „city.people.light“ erforscht sie zudem gemeinsam mit verschiedenen Partnern wie Architekten, Stadtplanern und Lichtspezialisten neue Beleuchtungsansätze und -produkte zur Verschönerung von Städten. Im Rahmen desselben Projekts wird zudem jährlich der city.people.light-Award vergeben, in dem das Unternehmen gemeinsam mit dem internationalen Städtenetzwerk für Stadtillumination (LUCI) jeweils eine Stadt für seine innovative Beleuchtungslösung auszeichnet.

 

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