Die kleinste Ultraschallsonde der Welt

November 4, 2010

(pd) Philips hat die kleinste Ultraschallsonde der Welt entwickelt. Die so genannte MicroTEE kann sogar das Herz von Frühgeborenen von der Speiseröhre aus schallen. Das verbessert sowohl die Diagnose als auch die Therapie.

 

„Bei so kleinen Babys liegen die Organe sehr dicht beieinander“, sagt Kai Thorsten Laser, Kinderkardiologe am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeyenhausen, während er sich über den winzigen Jungen beugt, der auf dem Operationstisch tief und fest schläft. Vorsichtig führt er ihm einen dünnen, flexiblen Schlauch in den Mund, die Speiseröhre entlang, um ihn direkt hinter seinem Herzen zu positionieren. Paul ist erst drei Tage alt. Durch ein Loch in seiner Herzscheidewand fließt seit seiner Geburt konstant Blut von der linken in die rechte Herzkammer. Bevor in wenigen Minuten sein Brustkorb geöffnet und die offene Stelle geschlossen wird, schaut Laser sich Pauls Herz noch einmal aus der Nähe an. Der Blick auf den Monitor begeistert ihn: „Aus dieser Position kann ich genau messen, wie groß das Loch ist“, sagt Laser, der in Bad Oeyenhausen Oberarzt für die Bildgebung bei angeborenen Herzfehlern ist. Pauls Operation ist für ihn die vierte Operation, bei der er dank der von Philips entwickelten Ultraschall-Schlucksonde MicroTEE ein Herz noch genauer unter die Lupe nehmen kann als es bislang möglich war. Das Instrument ist die kleinste Sonde der Welt und passt sogar durch die Speiseröhre von Frühgeborenen. „Aufnahmen von innen waren bei so kleinen Babys vorher nicht möglich“, sagt Laser.

 


Die kleinste Ultraschallsonde der Welt

 

De facto konnten Herzen von Neugeborenen bis dato nur von außen durch den Brustkorb geschallt werden. Dabei versperrten oftmals Rippen oder die Luft in der Lunge die Sicht. Bei der so genannten transösophagealen Echokardiographie (TEE) schallt die Mini-Schlucksonde das Herz von der Speiseröhre aus. Die unmittelbare Nähe zum Organ liefert dabei besonders genaue und weitgehend störungsfreie Bilder. „Die MicroTEE ermöglicht diese Bilder zum ersten Mal auch bei Neu- und sogar bei Frühgeborenen“, sagt Ludwig Isken, Produktmanager Ultraschall bei Philips. Der Schallkopf hat einen Durchmesser von nur 7.5 Millimeter und ist damit nur etwa ein Drittel so groß wie das bis dahin kleinste Modell. Während solch ein Ultraschall zuvor nur bei Kindern ab 3,5 Kilogramm möglich war, kann die jüngste Innovation aus dem Hause Philips sogar bei Babys ab einem Gewicht von 2,5 Kilo angewandt werden.

 

„Operationen am Herzen solch kleiner Kinder sind keine Seltenheit“, sagt Isken. Tatsächlich kommen allein in Deutschland jedes Jahr rund 6.000 Kinder mit einem angeborenem Herzfehler auf die Welt – und vielen ergeht es wie Paul: Um überhaupt zu überleben müssen sie bereits wenige Tage nach der Geburt operiert werden. Die Sonde verbessert dabei nicht nur die Diagnosemöglichkeiten. Zudem kann der Arzt per transösophagealem Ultraschall den Erfolg der Operation noch während des Eingriffes überprüfen, etwa wenn das Herz wieder zum Leben erweckt wird. Denn viele Kinder werden nicht am schlagenden Herzen operiert sondern während des Eingriffes an eine Herz-Lungen-Maschine geschlossen, mit der das Blut mit dem lebensnotwendigem Sauerstoff versetzt und durch den Körper gepumpt wird, ohne dass das Herz schlägt. „Entscheidend ist der Moment, in dem wir das Kind von der Maschine nehmen und das Herz wieder selbstständig zu schlagen beginnt“, sagt Laser. Würde der Chirurg bereits zu diesem Zeitpunkt Unregelmäßigkeiten bemerken, könne er noch auf dem Operationstisch direkt nachbessern und so spätere Folgeeingriffe verhindern. Zwar gäben auch andere Parameter, wie etwa der Blutdruck Auskunft darüber, ob die Operation gut verlaufen sei, mit den Ultraschallbildern aber könne er viel genauere Angaben machen. 

 

Fast vier Stunden dauerte bei Paul der Eingriff, in dem die Ärzte dem kleinen Jungen nicht nur einen Patch aus Kunststoff auf das Loch in der Herzscheidewand nähten sondern auch die Aortenklappe und den Aortenbogen geweitet haben. Sowohl die Klappe der Hauptschlagader als auch der Bogen – der Teil des Gefäßes, der direkt am Herzen liegt – waren bei Pauls Geburt zusätzlich zu eng gewesen. Die kleine Sonde konnte während der gesamten Operation in der Speiseröhre liegen bleiben. „Sie traumatisiert weder das Kind noch stört sie den Arzt“, sagt Laser. Auch gehen keine schädlichen Strahlen von ihr aus, wie es etwa beim Röntgen der Fall wäre. „Bei Erwachsenen wird Röntgen manchmal zusätzlich während der Operation eingesetzt, bei Säuglingen aber wäre das zu schädlich“, sagt Isken. Deswegen sind gute Ultraschallbilder umso wichtiger.

 

Mit der MicroTEE komplettiert Philips sein Sortiment an Ultraschallsonden und baut seine Rolle als Marktführer in diesem Bereich aus: „Grundsätzlich gibt es zwei Trends in der Ultraschalltechnologie, die Miniaturisierung und die 3D-Technik“, sagt Isken. „Mit der Live3D-TEE haben wir bereits seit 2007 die einzige Sonde auf dem Markt, die von der Speiseröhre aus dreidimensionale Bilder in Echtzeit liefert, mit der MicroTEE setzen wir nun auch einen Meilenstein in der Miniaturisierung.“ Anders als die Live3D liefert die MicroTEE bisher nur zweidimensionale Aufnahmen. Durch den extrem beweglichen Schallkopf aber, den der Arzt über einen kleinen Drehknopf in die gewünschte Position bringen kann, sind Aufnahmen von allen Seiten des Herzens möglich. Die Sonde sei damit „quasi dreidimensional“, sagt Isken. Zudem hat das Unternehmen die Frequenz auf die kleinen Körper der Patienten abgestimmt. „Je höher die Frequenz, desto bessere Aufnahmen macht ein Ultraschallgerät auf kurze Distanz“, sagt der Ultraschall-Experte von Philips. Deswegen sei die Bildqualität der MicroTEE im Brustkorb von Säuglingen, in dem der Schallkopf nur wenige Zentimeter vom Herzen entfernt liege, besonders gut. „Das Verhältnis zwischen der Enge der anatomischen Strukturen und der Größe der Sonde ist ausgezeichnet“, bestätigt auch Kardiologe Laser. Er habe sogar noch mehr sehen können als mit den größeren Sonden, die er bei älteren Kindern einsetzt.

 

Laser will die Sonde daher von nun an im Regelbetrieb einsetzen. „Bei jedem Säugling, der mit einem Herzfehler auf die Welt kommt, kann sie uns enorm helfen, die Behandlungsqualität zu verbessern“, sagt er: Bei der Diagnose, zur direkten Kontrolle noch im Operationssaal oder auch während der Nachsorge auf der Intensivstation. Beispielsweise kommt es häufiger vor, dass sich das Herz eines Säuglings erst langsam von dem Eingriff erholt. Das könne ganz verschiedene Ursachen haben, sagt Laser. „Auch hierbei hilft die MicroTEE, den Grund exakter zu bestimmen und die Behandlung darauf abstimmen.“ Pauls Herz schlägt seit der Operation ganz normal und wird nicht wieder operiert werden müssen. Zumindest nicht wegen der drei Herzfehler, sagt Laser, was in Zukunft sonst noch auf Paul zukommen werde, wisse er natürlich nicht. Denn hellseherische Fähigkeiten hat selbst die MicroTEE nicht.

 

 

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