Das ist die Zukunft der Wirtschaft

Eine Kreislaufwirtschaft (auch zirkuläre Wirtschaft genannt) zielt darauf ab, das Wirtschaftswachstum von der Nutzung natürlicher Ressourcen und Ökosysteme abzukoppeln, indem diese Ressourcen effektiver genutzt werden. In den Bereichen Material-, Komponenten- und Produktneuverwertung ist dies ein Motor für Innovation sowie ein Schlüsselfaktor für neue Geschäftsmodelle. In einer Kreislaufwirtschaft ermöglicht die effektivere Materialnutzung eine bessere Wertschöpfung. Dies lässt sich auf Kosteneinsparungen sowie auf die Entwicklung neuer bzw. bereits existierender Märkte zurückführen.

Zieht man in der Natur an einem einzigen Element, erkennt man, dass es mit dem Rest der Welt verbunden ist."

 

John Muir (1838-1914)

Schottischer Naturforscher und -schützer

Diese These des verstorbenen schottischen Naturforschers John Muir beschreibt eine miteinander verbundene regenerative Landschaft, in der jedes erzeugte Material als Baustoff für etwas anderes dient. Sie liefert eine passende Beschreibung für ein neues Wirtschaftsmodell, das in der Geschäftswelt derzeit schnell an Zugkraft gewinnt: die Kreislaufwirtschaft.
Die Kreislaufwirtschaft basiert auf dem Prinzip, Rohmaterialien und Produkte so lange wie möglich im Produktionskreislauf zu halten. Versucht wird, unsere industriellen Systeme so zu gestalten, dass kein Abfall mehr entsteht und die Abhängigkeit von endlichen Ressourcenreserven reduziert wird. Dadurch können Unternehmen nicht nur neue Wertschöpfungsquellen erschließen, sondern auch zum Aufbau stabiler Märkte und Lieferketten beitragen, die langfristigen und nachhaltigen Wohlstand gewährleisten.
Dieser wirtschaftliche Grundgedanke wird durch eine Fülle von Forschungsarbeiten unterstrichen. Laut dem Weltwirtschaftsforum, der Ellen MacArthur Foundation und McKinsey eröffnet die Kreislaufwirtschaft für die Weltwirtschaft eine Chance auf 1 Trd. USD. So entsteht für Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen umfassendes Potenzial, von der traditionellen linearen "Take, Make, Waste"-Wirtschaft hin zu einem zirkulären Modell zu wechseln.
Eine im Rahmen des WRAP (Waste & Resources Action Programme) durchgeführte Studie hat ergeben, dass eine Kreislaufwirtschaft zu einer verbesserten Handelsbilanz von 90 Mrd. GBP innerhalb der Europäischen Union sowie zur Schaffung von zusätzlichen 160.000 Arbeitsplätzen in der Materialrückgewinnung führen könnte."

Zirkuläre Geschäftsmodelle sind ressourcenstabil, da sie die physische Neuzuweisung bzw. Wiederverwendung alter Produkte für neue Zwecke umfassen. Maßnahmen wie die Wiederverwendung oder Wiederaufarbeitung bewahren nicht nur den ursprünglichen Materialwert, sondern sind auch weniger von Energie- und Wasserrisiken betroffen als die herkömmliche Fertigungs- oder Recycling-Industrie.
Ein gutes Beispiel dafür ist das iPhone. In einer kürzlich durchgeführten Studie wurde gezeigt, dass ein wiederverwendetes iPhone etwa 48 % seines ursprünglichen Werts beibehält, während die recycelten Komponenten nur 0,24 % dieses Werts erreichen. Bei anderen Produkten mag die Rendite zwar nicht ganz so hoch sein, ihr Wiederverwendungswert ist dennoch deutlich höher. Die Wiederverwendung einer Tonne Textilien bewahrt 9,6 % des Ursprungswerts im Vergleich zum Recycling (0,4 %), während die Autowiederverwendung 5,3 % des Ursprungswerts im Vergleich zu seinen recycelten Teilen (1,5 %) beibehält.
Eine zirkuläre Wirtschaft kurbelt den industriellen Wettbewerb und die Schaffung von Arbeitsplätzen an, sowohl national wie auch international. Sie fördert mehr Ressourcenproduktivität und reduziert die langfristige Abhängigkeit von Rohmaterialien. Untersuchungen im Rahmen des Waste & Resources Action Program (WRAP) haben ergeben, dass die Kreislaufwirtschaft zu einer verbesserten Handelsbilanz von 90 Mrd. GBP in der Europäischen Union und der Schaffung von zusätzlichen 160.000 Arbeitsplätzen in der Materialrückgewinnung führen könnte.
Auch für den Verbraucher liefert die Kreislaufwirtschaft Vorteile. Durch neue Mehrwert-Geschäftsmodelle ändert sich unser Verhältnis zu den erworbenen Produkten und Dienstleistungen. Indem der Kunde nicht das Eigentum an den Produkten erwerben muss, sondern einen Zugang zu den Produkten erhält, führt dieses Geschäftsmodell zu einem erschwinglicheren und nachhaltigeren Verbrauch, was wiederum zur Verbesserung des Markenimage und der Kundentreue beiträgt. Unternehmen, die sich näher mit der Ressourcennutzung befassen und sich nicht vor Innovationen scheuen, haben sich bereits auf diese Reise begeben.

Zirkuläre Konzeptentwicklung

Die Rolle des Designs in einer Kreislaufwirtschaft ist von zentraler Bedeutung. Unternehmen müssen gemeinsam mit Konzeptentwicklern Gestaltungsvorgaben für Produkte und Dienstleistungen erarbeiten, die den Lebenszyklus-Gedanken aufgreifen. Dazu müssen in der Regel weitere wichtige Interessensgruppen wie Materialexperten, Chemiewissenschaftler, Hersteller und Recyclingbetriebe einbezogen werden. Das "Great Recovery Project" schlägt vier Konzeptmodelle vor, die in einer Kreislaufwirtschaft funktionieren könnten: Konzeption für Langlebigkeit, Konzeption für Miete/Dienstleistung, Konzeption für die Wiederverwendung in der Herstellung sowie Konzeption für die Materialrückgewinnung.
Die Ressourcenfluss-Systeme, die diesen Konzeptmodellen zu Grunde liegen, müssen ebenfalls umgestaltet werden, im Idealfall gleichzeitig. Es ist wenig sinnvoll, ein Produkt zur späteren Zerlegung zu konzipieren, wenn die Rücknahmemechanismen zur effektiven Rückgewinnung der Komponententeile nicht vorhanden sind. Dafür sind nicht nur neue Regierungsstrategien und Marktmechanismen notwendig, um einen Anreiz zur Abfallvermeidung zu schaffen, sondern es ist auch für mehr Transparenz in den Lieferketten zu sorgen, damit Altprodukte und -materialien effektiv verfolgt und zurückgewonnen werden können. Hier sind drei Beispiele, wie durch eine entsprechende Konzeptentwicklung der nachhaltigere Verbrauch vorangetrieben werden könnte. 

Der Cradle-to-Cradle-Stuhl

Die Designphilosophie von Büromöbelhersteller Orangebox basiert auf der Verwendung von wenig Material zur Erstellung langlebiger Produkte, die sich einfach zerlegen und für die Wiederaufarbeitung zurückgewinnen lassen. Das Vorzeigeprodukt des Unternehmens ist ARA, ein Bürostuhl, der dem Cradle-to-Cradle-Prinzip entspricht, d. h. bei dem ein geschlossener Produktionszyklus entsteht.
Praktisch alle Materialien (98 %), die für den ARA-Stuhl verwendet werden, können recycelt werden. Gemäß dem Cradle-to-Cradle-Prinzip muss jede chemische Rohmaterialverbindung daraufhin überprüft werden, ob sie am Lebensende in den Produktionszyklus zurückgeführt werden kann, um neue hochwertige Produkte entstehen zu lassen. Diese Inhaltsstoffe müssen des Weiteren frei von Schadstoffen sein, die für die Gesundheit oder die Umwelt bei Freisetzung schädlich sein könnten.
Um den Wert der in diesem Stuhl und anderen Produkten verwendeten Materialien zu maximieren, hat Orangebox einen Recyclingbetrieb an seinem Produktionsstandort in Süd-Wales gegründet, sodass die Kunden des Unternehmens einen Rücknahmeservice in Anspruch nehmen können. Altprodukte werden von der firmeneigenen Fahrzeugflotte abgeholt und – falls eine Wiederverwendung bzw. Aufarbeitung nicht möglich ist – zerlegt. Die Materialien werden dann an den Recyclingbetrieb überführt.

Gezielte Zerlegung von Stoffen

Wear2 ist eine Textilverarbeitungstechnologie zur gezielten Zerlegung von Bekleidung an ihrem Lebensende. Hersteller können während der Designphase angeben, welche Bekleidungsteile sie zukünftig einzeln zurückholen möchten, z. B. Reißverschlüsse, Etiketten, Aufnäher, Logos oder Markenzeichen. Das bedeutet, dass diese Teile von der Arbeitskleidung oder Uniformen entfernt werden können, damit die Kleidungsstücke zur Wiederverwendung oder zum Wiederverkauf verfügbar werden.
Ein Konsortium aus Organisationen wie C-Tech Innovation, der Universität Leeds, Royal Mail Group und dem Textilrecyclingbetrieb Oxfam Waste Save hat die Technologie unter Mitfinanzierung durch das Technology Strategy Board entwickelt. Sie basiert auf der Verwendung eines Materials, das sich wie herkömmliches Garn verhält. Die Ausnahme besteht darin, dass das Material bei der Bestrahlung mit Mikrowellen seine Zugfestigkeit verliert. Dadurch lässt es sich einfach entfernen und hinterlässt keine Spuren auf der Kleidung.
Laut den Entwicklern hinter wear2 stehen fehlende effektive Zerlegungstechnologien sowie fehlende Designprotokolle zur Verwendung von Altkleidung einer rentablen und nachhaltigen Bekleidungswirtschaft im Wege. Sie behaupten, dass durch die Technologie ein großer Teil der Bekleidung, die jährlich auf der Mülldeponie entsorgt wird, wiederverarbeitet werden könnte, wodurch sich neue Einnahmequellen für die Textilindustrie eröffnen würden.
Praktisch alle Materialien (98 %), die für den ARA-Stuhl verwendet werden, können recycelt werden."

Smartphones selber bauen

Phonebloks ist ein Lego-ähnliches Smartphone-Konzept, das es Nutzern ermöglicht, die einzelnen Komponenten in einer modularen Mobilplattform auszutauschen bzw. aufzurüsten, anstatt das gesamte Telefon einzutauschen oder zu entsorgen. Das bedeutet, dass Telefone aus vorgefertigten Einzelteilen – abnehmbaren Blocks (bzw. Bloks) – je nach Wunsch zusammengestellt werden können und so die allgemeine Lebensdauer verlängert wird. Jeder Block ist mit der Basis des Geräts verbunden, sodass er einfach ausgewechselt werden kann. Die Idee dahinter ist, dass sich das Ihnen gehörende Telefon mit der Technologie weiterentwickeln kann.
Laut dem Phonebloks-Erfinder Dave Hakkens werden Smartphones in der Regel entsorgt, weil einer der Blöcke, wie z. B. Akku, Bildschirm, Kamera oder Prozessor ausfällt oder nicht mehr als gebrauchstauglich erachtet wird. Das Austauschen bzw. Aufrüsten einzelner Blöcke bietet daher eine langlebigere Lösung, insbesondere wenn der Benutzer Art und Marke des gewünschten Blocks auswählen oder sogar selbst designen kann. Das System wird auf einer offenen Plattform erstellt, sodass zwischen Designern, Forschern, Entwicklern, Investoren und Marken eine Zusammenarbeit ermöglicht wird.
Phonebloks hat sich nun mit Motorola zusammengeschlossen, einem Unternehmen, das bereits Forschungen für ein eigenes modulares Smartphone unternommen hat, um das Konzept weiterzuentwickeln. Die ersten Prototypen werden in Kürze erwartet.
Phonebloks ist ein Lego-ähnliches Smartphone-Konzept, das es Nutzern ermöglicht, die einzelnen Komponenten innerhalb einer modularen Mobilplattform auszutauschen bzw. aufzurüsten."

Umnutzung

Umnutzung bzw. Upcycling, wie es technisch bezeichnet wird, ist ein Recyclingvorgang, bei dem Abfallprodukte in neue Materialien oder Produkte mit einem höheren Qualitäts- und Umweltwert umgewandelt werden. Upcycling gilt als eine Form der Wiederverwertung, da die Zusammensetzung des ursprünglichen Materials nicht herabgesetzt wird wie etwa beim herkömmlichen Recycling (bzw. Downcycling). Da sich die Methode besonders auf die Materialoptimierung konzentriert, hat es in der Kreislaufwirtschaftsbewegung großen Anklang gefunden. Hier sind drei Beispiele, wie herkömmliche Abfallströme aufgewertet werden, indem sie zu anpassungsfähigen Materialien für andere Anwendungen umgewandelt werden.

Der modische Feuerwehrschlauch

 

Das Modelabel Elvis & Kresse hat sein Geschäftsmodell auf der Aufbereitung von Industrieabfallprodukten aufgebaut, wie beispielsweise außer Betrieb genommenen Feuerwehrschläuchen, Auktionsbannern und militärischer Fallschirmseide. Aus diesen Produkten erschafft das Unternehmen luxuriöse Accessoires, darunter Gürtel, Taschen und Geldbörsen. Das Unternehmen arbeitet mit Institutionen wie der Feuerwehr sowie Herstellern und Einzelhändlern zusammen, um deren Abfälle – die kostenloses Rohmaterial bedeuten – zu verwerten. 50 % der Einnahmen kommen dabei einem guten Zweck zu.

 

Umnutzung bzw. Upcycling, wie es technisch bezeichnet wird, ist ein Recyclingvorgang, bei dem Abfallprodukte in neue Materialien oder Produkte mit einem höheren Qualitäts- und Umweltwert umgewandelt werden.

 

Die meisten Materialien werden gereinigt, bevor sie aufbereitet und per Hand zu neuen Produkten gefertigt werden. Feuerwehrschläuche werden beispielsweise poliert, sodass ein hellroter Gummi mit einem Nylonkern zum Vorschein kommt, der zu Gürteln geschnitten, vernietet und vernäht werden kann. Die Zielsetzung von Elvis & Kresse, derzeit noch nicht recycelbare Nischenmaterialien nutzbar zu machen, hat dazu beigetragen, dass seit Gründung des Unternehmens im Jahr 2007 etwa 250 Tonnen industrielle Abfallprodukte weniger auf der Mülldeponie entsorgt werden.

 

Das Unternehmen plant derzeit, seinen Betrieb zu erweitern und neue Märkte wie z. B. Haushaltswaren zu erschließen. Außerdem arbeitet es daran, Abfallprodukte noch weiter zu minimieren, indem der Verschnitt seiner Upcycling-Prozesse in neue Produkte integriert wird.

Tomatenbasierte Autoteile

 

Ford und Heinz untersuchen derzeit die Möglichkeit, Tomatenhaut als Basis für neue Verbundwerkstoffe für Fahrzeugteile zu verwenden. Wissenschaftler bei Ford führen Tests zur Haltbarkeit der Tomatenfaser durch, um herauszufinden, ob sie als Biokunststoff in Frage kommt. Falls ja, könnte sie für Verdrahtungshalterungen oder Ablagefächer in Fahrzeugen genutzt werden.

 

Die Zusammenarbeit könnte die Lösung für ein anhaltendes Problem bei Heinz lösen, da das Unternehmen nach neuen Möglichkeiten sucht, die Abfallprodukte bei der Verarbeitung von Tomaten zu Ketchup, wie Hautstücke, Stängel und Kerne, wiederzuverwenden. Jährlich werden im Unternehmen 2 Mio. Tonnen Tomaten verwertet! Zwar befindet sich die Forschung noch in den Kinderschuhen, der technologische Umwandlungsprozess wurde jedoch bereits geprüft.

 

Das Experiment ist Teil einer größeren Initiative bei Ford zur Entwicklung von nachhaltigen, leichten, pflanzenbasierten Verbundstoffen zur reduzierten Verwendung von Petrochemikalien in der Fertigungsindustrie. Das biobasierte Materialprofil umfasst nun Motorhaubenhalterungen mit Füllungen aus Reisspelzen, Sitzpolster aus Sojaschaum sowie zelluloseverstärkte Konsolenkomponenten.

Vom Fischernetz zum Bodenbelag

 

Ausrangierte Fischernetze werden im Rahmen der Initiative Net-Works zu Teppichfliesen verarbeitet. Unter Net-Works versteht man eine Zusammenarbeit zwischen der Zoological Society of London, der Project Seahorse Foundation for Marine Conservation, dem Garnhersteller Aquafil sowie dem Teppichhersteller Interface. Die Initiative reduziert nicht nur die im Meer entsorgte Müllmenge, sondern schafft zudem neue Einnahmequellen für Fischereien in einigen der weltweit ärmsten Küstenregionen.

 

Da Fischernetze aus Nylon gefertigt sind, bilden sie ein ideales Ausgangsmaterial für Teppichgarn. Durch die Aufbereitung dieses Abfallstroms sah Interface eine Möglichkeit, ein in sich geschlossenes Geschäftsmodell zu etablieren. In Zusammenarbeit mit dem Garnlieferanten Aquafil wurde ein Upcycling-Prozess entwickelt, der ausrangiertes Nylon – nicht nur von Fischernetzen, sondern auch von gebrauchten Teppichen und Industrieverschnitt – zu 100 % recycelter Nylonfaser mit der gleichen Qualität und dem gleichen Leistungsvermögen wie ursprüngliche Nylonfaser aufbereitet.

 

Net-Works begann als Pilotprojekt im Jahr 2012 mit vier Fischereien in der Nähe des Danajon-Riffsystems auf den Philippinen. Im ersten Monat wurde eine ganze Tonne Netze zur Wiederverwendung gesammelt. Seither hat sich die Initiative auf weitere örtliche Gemeinden erweitert mit dem Ziel, auch in anderen Regionen wie Indien und Westafrika Fuß zu fassen.

 

Die Kreislaufwirtschaft legt den Fokus auf die gemeinsame Nutzung materieller Ressourcen durch eine mehr auf Zusammenarbeit basierte Form des Verbrauchs, wobei die Kunden für die Vorteile der Nutzung eines Produkts bezahlen anstatt dafür, es für sich zu besitzen. Unternehmen verkaufen die Nutzung ihrer Produkte durch Vermietungs- oder Zugangsvereinbarungen, sodass sie während des gesamten Lebenszyklus Eigentümer dieser Güter sind und ihre Leistungskompetenzen durch Wartung, Reparatur und Wiederverwendung erweitern.

Gemeinsame Nutzung

Einige Produktkategorien profitieren als Service-basiertes Angebot womöglich mehr als andere. Laut einer vor kurzem durchgeführten Umfrage des Guardian ist ein Großteil der Geschäftseigentümer (66 %) der Ansicht, dass Technologiehardware bzw. -ausstattung den größten Wert als Produkt-Service-Modell bereitstellt, gefolgt von Elektronik- und Elektrogeräten (56 %) sowie Autos, Reifen und Fahrzeugteilen (51 %). Interessanterweise wurden diese drei Produktkategorien auch von Verbrauchern als diejenigen bezeichnet, die sie am wahrscheinlichsten als Dienstleistung nutzen möchten.
Produkt-Service-Modelle können in verschiedenster Form umgesetzt werden, darunter Bezahlung nach Nutzung, Vermietung bzw. gemeinsame Nutzung, Miet-Eigentum sowie Pools/Mehrfachzugriff. Die folgenden Beispiele beleuchten, wie herkömmliche Produkte als Dienstleistungen neu erfunden wurden.

Licht statt Leuchtmittel verkaufen

Philips vertreibt bereits Licht als Service. Dabei bezahlen Kunden für die Menge an Lumen, die Einheit der Leuchtkraft, anstatt der physischen Hardware eines Leuchtmittels. Die Lösung des Unternehmens "Pay per Lux" generiert enorme Energieeinsparungen für Kunden, darunter die Nationale Studentenvereinigung (National Union of Students, NUS) sowie die Washington Metropolitan Area Transit Authority (WMATA).
Die NUS-Büros in London sind mit Philips LED-Beleuchtung ausgestattet, die über ein Pauschal-Bezahlmodell gemietet ist. Wenn die NUS den erwarteten Energieverbrauch überschreitet, bekommt sie von Philips Geld zurück. Dadurch erhält Philips einen finanziellen Anreiz, einen möglichst energieeffizienten Service anzubieten, und der Kunde profitiert andererseits davon, keine Vorauszahlungen leisten zu müssen und einen Festpreisvertrag über einen bestimmten Zeitraum abschließen zu können – in diesem Fall 15 Jahre.
Philips hat des Weiteren eine maßgeschneiderte Lösung für die WMATA entwickelt. Das Unternehmen tauscht 13.000 Beleuchtungskörper durch eine LED-Beleuchtung aus, sodass der Energieverbrauch um 68 % pro Jahr gesenkt wird und 11.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Viele Städte werden durch die im Voraus anfallenden Kosten daran gehindert, zu effizienteren LED-Lösungen zu wechseln. Bei diesem Modell fallen jedoch keine Vorabkosten an, da es auf einen 10-Jahres-Wartungsvertrag auf Leistungsbasis basiert. Demzufolge spart die WMATA 600.000 USD Wartungskosten.
Philips untersucht derzeit die Möglichkeit, das Produkt-Service-Modell weiter auszubauen. In einem größeren Umfang könnten derartige Modelle den Weg für einen vollständig neuen Ansatz zur Beleuchtungsbeschaffung ebnen.
Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage des Guardian ist ein Großteil der Geschäftseigentümer der Ansicht, dass Technologiehardware bzw. -ausstattung den größten Wert als Produkt-Service-Modell bereitstellt."

Würden Sie eine Jeans mieten?

"Lease A Jeans" ist ein von Mud Jeans entwickeltes Modekonzept, bei dem Nutzer ein Paar Jeans für ein Jahr mieten können. Nach dieser Zeit haben sie die Möglichkeit, die Jeans zu behalten, sie umzutauschen oder sie zurückzugeben. Am Ende des Mietvertrags werden die zurückgegebenen Jeans weiterverarbeitet, d. h. dass alle Rohmaterialien und recycelten Fasern zu neuer Kleidung aufgearbeitet werden.
Das Ziel des Unternehmens besteht darin, eine zirkuläre Modebranche aufzubauen, bei der die Nutzung und nicht das Eigentum im Zentrum steht. Während des Mietzeitraums können Nutzer einen kostenlosen Reparaturservice in Anspruch nehmen und, falls sie sich schließlich entscheiden, die Jeans zu behalten, können sie diese dennoch zum Recyceln zurückgeben, sobald sie abgetragen sind. Mud Jeans bereitet nun einige der Materialien auf, um Kleidungsserien wie Kapuzenshirts herzustellen, die über das Modell "Lease a Fleece" ebenfalls gemietet werden können.
Kürzlich versuchte das Unternehmen mit einem Experiment herauszufinden, wie viel Menschen für nachhaltige Kleidung bezahlen würden. Rund 800 Personen sollten auf ein Paar Mud Jeans bieten. Dabei wurden einigen das Nachhaltigkeitslogo und der Mietvertrag gezeigt und anderen nicht. Die Ergebnisse ließen erkennen, dass die Personen für mietbare Mode im Vergleich zu herkömmlicher Mode 12 % mehr bezahlen würden.
Das Ziel des Unternehmens besteht darin, eine zirkuläre Modebranche aufzubauen, bei der die Nutzung und nicht das Eigentum im Zentrum steht." 

Preiswerte Küchen mieten

Der schwedische Einzelhandelsriese IKEA überprüft derzeit die Idee, im Rahmen einer breit angelegten Nachhaltigkeitskampagne, seinen Kunden Küchen zu vermieten–mit dem Ziel, den Rohmaterialkreislauf für seine Lieferkette zu schließen.
Steve Howard, Nachhaltigkeitsbeauftragter von IKEA, erklärte öffentlich, dass ein derartiges Vorgehen den Weg für einen intelligenteren Verbrauch im Einzelhandelssektor ebnen könnte, bei dem die Menschen weniger am Eigentumsgedanken festhalten. Das Unternehmen hat in Frankreich bereits die Kampagne "Second life for furniture" (Ein zweites Leben für Möbel) auf den Weg gebracht. Die Kunden sollten dabei dazu bewegt werden, gebrauchte oder ungewollte Möbel zum Wiederverkauf an den Verkaufsstandort zurückzubringen. Das ursprünglich zweimonatige Pilotprojekt erwies sich als Erfolg, und 24 der 28 teilnehmenden Standorte setzen dieses Serviceangebot auch weiterhin fort.
Der schwedische Einzelhandelsriese IKEA überprüft derzeit die Idee, im Rahmen einer breit angelegten Nachhaltigkeitskampagne, seinen Kunden Küchen zu vermieten – mit dem Ziel, den Rohmaterialkreislauf für seine Lieferkette zu schließen."

Hindernisse beseitigen

Der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft steckt immer noch in den Kinderschuhen. Das gesamte System, in dem wir uns befinden, muss in sich geschlossen sein, und das bedeutet, widersprüchliche Themen in Bezug auf Bestimmungen, Zusammenarbeit, Kontrolle, Lieferkettendynamik, Datentransparenz und kulturelle Mentalität zu bereinigen. Eines der offensichtlichsten Hindernisse sind die fehlenden Rücknahmemodelle und die fehlende Industrieinfrastruktur zur Wiederverwendung von Nebenprodukten. Dieses Thema gilt unter den an der Umfrage des Guardian teilnehmenden Unternehmen als hauptsächlicher Stolperstein bei der Erzielung eines Kreislaufs.
Es gibt definitiv Gründe für die Neugestaltung nationaler und internationaler Recyclingsysteme, um optimierte Sammel- und Wiederverarbeitungsprozesse zu ermöglichen. Diese könnten wiederum die Chance zur Wiederaufbereitung zu höherwertigeren Produkten bereitstellen. Auch neue Wertschöpfungsnetzwerke müssen aufgebaut werden. Diese Netzwerke, die auf einer intelligenten Rücknahmelogistik und einem diesbezüglichen Produkt-Materialwertmanagement basieren, tragen zur Unterstützung dieser, in den vorangehenden Abschnitten beschriebenen, alternativen Geschäftsmodelle bei.
Unternehmen fühlen sich derzeit auch noch nicht in der Lage, diesen Wandel zu vollziehen. Die Teilnehmer der Guardian-Umfrage bezeichneten den Mangel an Wissen darüber, wie der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft umzusetzen ist, als zweitgrößtes Hindernis. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Rechnungswesen, der Erstellung von Finanzmodellen, dem Marketing sowie der Wertschöpfung.
Dies deutet auf ein starkes Bedürfnis hin, einen Bezug zu den Unternehmensgrundlagen herzustellen und die Relevanz der Kreislaufwirtschaft in den alltäglichen Geschäftsabläufen aufzuzeigen. Die Nutzung der richtigen Sprache zur Einbindung der Mitarbeiter und deren Unterstützung ist wesentlich. Dies wurde von einer kürzlich durchgeführten Studie bestätigt. Der Trend hin zu Zusatzdienstleistungen bei der Herstellung, bei der neben den Produkten auch Mehrwertdienstleistungen angeboten werden, dient als guter Aufhänger für die Weiterbildung in diesem Bereich.
Die Guardian-Umfrage unterstrich außerdem die Tatsache, dass viele Unternehmen die Ansicht vertreten, dass es noch nicht ausreichend Nachfrage nach mehr zirkulären Produkten gibt. Zurückzuführen wäre dies auf die Tatsache, dass für diese Güter meist ein Preisaufschlag gilt – zumindest kurzfristig. Dieser noch fehlende Markteinfluss schreckt die Unternehmen ab, und sie müssen herausfinden, wie sie attraktive Markenversprechen zu dieser Agenda erstellen können, um sowohl das Kunden- als auch das Verbraucherinteresse zu stärken.
Große Herausforderungen zeigen sich auch innerhalb der Lieferketten, insbesondere der globalen, wenn es um die Koordination der zirkulären Materialflüsse und die Freisetzung der für die Umgestaltung dieser neuen Systeme erforderlichen Innovationen geht. Eine einzelne Firma hat möglicherweise nur wenig Einfluss auf seine direkten Lieferanten – geschweige denn auf die weiter vorne oder hinten angesiedelten Unternehmen der Lieferkette – um einen auf beiden Seiten nutzenbringenden Dialog zu starten oder die richtigen Daten zur Unterstützung bei diesem Bemühen zu sammeln.
Mit dem wachsenden Bedürfnis nach Innovation müssen Unternehmen ihren Blick immer mehr über die Grenzen ihrer herkömmlichen Interessensvertreter hinaus richten und mit unkonventionelleren Gruppen in Kontakt treten, wie beispielsweise Kreativen, Systemdenkern und Futuristen.
Eines der wirkungsvollsten Mittel zur Schaffung einer zirkulären, restaurativen Wirtschaft ist ein Wandel im Denken – und der vollzieht sich über die Bildung."

Was kommt dann?

Eines der wirkungsvollsten Mittel zur Schaffung einer zirkulären, restaurativen Wirtschaft ist ein Wandel im Denken – und der vollzieht sich über die Bildung. Für das erneute Überdenken unserer Wirtschaftsmodelle ist nicht nur eine Neuordnung des Systems erforderlich, sondern auch eine Neudefinition der Geschäftsmodelle. Hersteller und Einzelhändler sollten sich selbst beispielsweise nicht mehr nur als Produkthersteller und -verkäufer verstehen, sondern als Mitarbeiter und Lieferanten von Service-bezogenen Leistungen.
Darüber hinaus sind neue Kompetenzen erforderlich, insbesondere in den STEM-Disziplinen (Naturwissenschaft, Technologie, Ingenieurwesen und Mathematik). Die Kreislaufwirtschaft in den Lehrplan der Schulen einzubinden, ist für die Erzielung dieser Kompetenzen ein Muss – renommierte Ideenfabriken wie die Aldersgate Group haben zu einer Bildungsreform aufgerufen, um bei Schülern und Studenten ein Gesamtsystemdenken zu verankern, bei dem Designprodukte, Technologien, Materialien und Energieflüsse berücksichtigt werden.
Angesichts dieser Situation führt die Ellen MacArthur Foundation (EMF) eine Reihe von Bildungsprogrammen an weiterführenden Schulen und Universitäten durch. Dabei wurde ein Werkzeugkoffer für Lehrer und Professoren entwickelt, der sie dazu anregen soll, STEM und kreative Fächer zusammenführend zu unterrichten. Letztes Jahr hat die Bradford University gemeinsam mit der EMF und führenden Unternehmen das weltweit erste Masters Degree für Kreislaufwirtschaft ins Leben gerufen, da ein wachsender Bedarf nach einem kohärenterem akademischen Rahmen erkennbar wurde.
Des Weiteren gibt es dringenden Bedarf nach einer internationalen Zusammenarbeit der Weltspitze, um diese Bewegung international voranzutreiben. Regierungen spielen eine wichtige Rolle bei der Koordination der Maßnahmen, um sicherzustellen, dass politische Eingriffe Anreize für zirkuläre Produkt- und Prozesseffizienz bereitstellen. Beinahe ebenso bedeutend ist die Sicherstellung, dass alle regionenbezogenen Richtlinien aufeinander abgestimmt sind, um Marktversagen zu vermeiden, insbesondere, wenn die Materialien über lange Strecken gehandelt werden.
Zu den positiven legislativen Treibern könnten Abfallvermeidungsziele, Anreize für ökologische Designs und industrielle Symbiosen sowie die Erarbeitung internationaler Standards für zirkuläre Produkte und Dienstleistungen gehören. Die Strategie zur Kreislaufwirtschaft der Europäischen Kommission, die bislang progressivste Rechtsvorschrift, nimmt sich einiger dieser Themen an.
Da in immer mehr Ländern eine Nachfrage nach Rechtsvorschriften für eine Kreislaufwirtschaft zu verzeichnen ist, lohnt es sich, die schottische Regierung, die Danish Business Authority sowie die Walloon-Region in Südbelgien genau im Auge zu behalten. Diese drei Regionen arbeiten gemeinsam mit der EMF an der Freigabe internationaler Best Practices mit Blick auf den Kapazitätenaufbau und die Entwicklung neuer Kreislaufmärkte.

Diese Inhalte wurden von Guardian Labs, Guardian News und dem Bereich Commercial Content von Media nach einer vereinbarten Vorgabe von Philips erstellt.

Bilder von Mandy Barker.