Aktuelles vom Kapitalmarkt

per 31.12.2016

 

Das abgelaufene Börsenjahr war erneut von heftigen Schwankungen und vor allem von großen Überraschungen geprägt. Prognosen und Konsensmeinungen wurden dabei wiederholt ad absurdum geführt. Die permanente Berg- und Talfahrt wurde mal von fundamentalen, mal von politischen Ereignissen ausgelöst.

 

Als Tatsache kann rückblickend festgehalten werden, dass offensichtlich vor allem klare Verhältnisse/Entscheidungen von den Marktteilnehmern geschätzt und honoriert wurden. Dies dürfte der Grund sein, warum die bei „negativen Ergebnissen“ (z.B. Wahlen) immer wieder angekündigten Kurseinbrüche ausgeblieben sind.

 

Wichtig ist, dass trotz aller Turbulenzen die Weltwirtschaft in 2016 stabil geblieben und um etwa 3,1 % gewachsen ist (Vorjahr 2015 + 3,2 %; Durchschnitt der letzten fünf Jahre + 3,3 %). 

Der maßgebliche Stabilitätsanker für die Märkte war wieder die Zinspolitik der Notenbanken, die ihre Maßnahmen entweder noch ausweiteten (EZB) oder erst sehr spät im Jahr (Dezember) die Leitzinsen erhöhten (FED).

 

Im Wesentlichen sind folgende „Highlights“ zu nennen, die das Jahr 2016 grob in vier Abschnitte einteilten: China-Sorgen, Brexit, Zinswende, Trump.

 

Zu Jahresbeginn bis in das Frühjahr hinein beherrschten massive Rezessionssorgen als Folge des Einbruchs der chinesischen Konjunktur/Aktienkurse bzw. des weiter fallenden Ölpreises die Märkte. Weltweit fielen die Börsen massiv und es setzte eine „Flucht in Qualität“ ein, d. h. insbesondere in amerikanische und deutsche Staatsanleihen. So verlor der Dax allein in den ersten sechs Wochen 19 % an Wert. Erst nach und nach wichen die Konjunktursorgen und risikoreichere Anlagen, wie Hochzinsanleihen und Aktien, gewannen sukzessive stark.

 

Am 23. Juni dann der unerwartete Brexit-Beschluss. Die Irritationen und Kursverluste dauerten aber nur zwei Tage. Anschließend stiegen die Kurse weiter an. Einzig das Pfund hat heftig gelitten, da man negative Konsequenzen für die Wirtschaft und niedrige Zinsen in UK erwartet.

 

Fast unbemerkt drehte im Spätsommer weltweit der Zins. Für viele Marktteilnehmer war dies schon die finale Zinswende. Die Argumente waren: „tiefer kann es nicht mehr gehen“ und „das Ende des 35jährigen Bullenmarktes“ ist erreicht.

 

Parallel begann eine nachhaltige Branchenrotation an den Börsen. Defensive Werte (Gesundheit, Versorger, Telekommunikation) wurden verkauft und zyklische Sektoren (Finanzen, Energie, Rohstoffe) stattdessen gekauft. Ausgereizte Bewertungsniveaus, Margendruck und politische Drohungen waren die Ursachen. Insgesamt setzte ein starker Wechsel raus aus Anleihen, rein in Dividendentitel ein.

 

Am 8. November dann die nächste Überraschung: die Wahl von Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA. Erneut brachen die Kurse nicht ein. Vielmehr setzen die Investoren auf die angekündigte neue Fiskal- und Wirtschaftspolitik in den USA. Wieder profitierten konjunktursensitive Vermögensarten. Im Ergebnis stiegen aber die Renditen der US-Staatsanleihen deutlich an (Inflationserwartungen, Ankündigung der FED für Leitzinserhöhungen in 2017) und der US-Dollar haussierte.

 

Neben diesen weltpolitischen Ereignissen weitete im März und Dezember die EZB ihre Stützungsmaßnahmen in Form weiterer Leitzinssenkungen, höheren Negativzinsen für Bankeinlagen, dem Kauf auch von Unternehmensanleihen sowie einer Verlängerung des Anleiheaufkaufprogramms bis Ende 2017 aus. 

Bis zum Juli ging die Rendite der 10jährigen Bundesanleihe auf Grund des Kaufprogramms der EZB und der Angst vor dem Zerfall des Euros (Brexit) auf - 0,20 % zurück (zu diesem Zeitpunkt wiesen alle Laufzeiten bis zu 15 Jahren negative Renditen auf, z. B. zweijährige Bundesanleihen - 0,85 %). Im Gefolge der globalen Zinswende, ausgehend von den USA, stiegen dann auch im Euroraum die Zinsen für Anleihen ab dem Herbst merklich an.

 

Von zentraler Bedeutung ist der Umstand, dass die Notenbankpolitik das gesamte Jahr über expansiv geblieben ist, was den Anlagenotstand vergrößerte und gerade die Aktienkurse stark unterstützte.

 

Anfang Dezember scheiterte das italienische Verfassungsreferendum, was zu (temporären) Sorgen vor Neuwahlen und einem Untergang der gesamten Eurozone führte. 

 

Letztendlich erhöhte die amerikanische FED doch noch kurz vor Weihnachten (wie schon 2015) die Leitzinsen, zum zweiten Mal nach 2008, um 0,25 % auf 0,50 bis 0,75 % und kündigte für das nächste Jahr drei weitere Schritte an.

 

Vor dem Hintergrund dieser Geschehnisse ist es durchaus überraschend, dass praktisch alle Kapitalmärkte in 2016 per Saldo positive Jahresergebnisse erzielten.

 

Dies gilt vor allem für die Aktienmärkte, die in den Schwellenländern (+ 10 %) und in den USA (+ 11 %) zweistellig zulegen konnten (in lokalen Währungen). Schwächer entwickelten sich die Aktien in Japan (- 0,7 %) und der Eurozone (+ 4,3 %). Der Dax gewann 6,9 %. Wichtig ist der Umstand, dass die positiven Gesamtergebnisse erst durch eine Jahresendrallye in den letzten Wochen (seit dem 08.11. (Trump-Wahl):
USA + 5,5 %, Dax + 10,2 %, Japan + 11,6 %) zustande gekommen sind. Bis Anfang Dezember notierte z. B. der Dax im negativen Bereich. 

Zudem kam es, wie zuvor erwähnt, im Jahresverlauf zu der starken Branchenrotation- kontra defensive Qualitätsaktien („Value“), pro Zykliker („Growth“). Goldminenaktien stellten 2016 die beste und Biotech-Titel die schwächste Branche dar; die besten Einzelländer waren Brasilien, Russland und Ungarn, die schlechtesten Nigeria, Ägypten und China (in Euro gerechnet).

 

Auch bei den Rentenmärkten gewannen die Schwellenländer in lokalen Währungen zweistellig (+ 10 %), da bei praktisch allen Investoren diese Regionen gesucht waren, um noch auskömmlich hohe Verzinsungen erzielen zu können. Generell sprechen neben den Renditen die günstigen Bewertungen und guten Wachstumsaussichten für Schwellenländeranlagen. Gegen diese Regionen spricht die zwar abnehmende, aber nach wie vor bestehende, hohe US-Dollar-, US-Zins- sowie in vielen Fällen Rohstoffpreis-Abhängigkeit. Alternativen waren ansonsten für „Zinsanleger“ nur noch sehr lange Laufzeiten und Anleihen aus den etablierten großen Märkten mit schlechterer Bonität. 

Die Wertentwicklungen der Staatsanleihen in den USA (+ 1 %), der Eurozone (+ 3 %) und in Deutschland (+ 4 %) waren eher überschaubar, da die Zinsen ab dem Sommer stark angestiegen sind. 

 

Der begonnene Trend verstärkte sich nach der US-Präsidentenwahl, da die neue US-Fiskalpolitik zu einer höheren Inflation und damit zu höheren Zinsen führen sollte. Die globalen Zinsmärkte erlitten deshalb in den zwei Wochen nach der US-Wahl die größten Verluste seit 26 Jahren! 

Als Folge des starken US-Dollars waren die Ergebnisse der Engagements von Euro-Anlegern in US-Staatsanleihen trotz des dortigen Zinsanstieges dennoch leicht höher als in einheimischen festverzinslichen Papieren. 

Mit Unternehmensanleihen ließen sich im Euroraum im vergangenen Jahr nur unwesentlich günstigere Renditen als mit Staatsanleihen erwirtschaften, da die Zinsdifferenz nach dem Eingreifen der EZB auch in diesen Teilmarkt deutlich gesunken ist.

 

An den Rohstoffmärkten setzen sich die Preisrückgänge der letzten fünf Jahre erst unvermindert fort. Nachdem im Jahresverlauf die meisten Rohstoffe aber einen Boden fanden, erzielten breit aufgestellte Rohstoffindices letztendlich noch eine Wertentwicklung in 2016 von 12 % (in US-Dollar). 

Markant war dabei vor allem die Ölpreisentwicklung. Nach erheblichen Ausweitungen der Fördermengen im Nahen Osten und Problemen der Schieferölindustrie in den USA sank der Preis für die Sorte Brent bis Ende Januar auf unter 26 US-Dollar (- 31,5 % seit 01.01.). Erst eine Einigung der OPEC auf Förderkürzungen, unterstützt von Russland, brachte die Wende. Der Ölpreis schloss das Jahr auf einem Höchststand bei 54,66 US-Dollar ab und verteuerte sich somit in 2016 um 45,4 %. 

Der Goldpreis war ein Spiegelbild der Marktschwankungen. Gestartet mit 1.061 US-Dollar stieg der Preis bis zu Sommer auf 1.375 US-Dollar an
(+ 29,7 %). Im Gefolge der anziehenden Zinsen im zweiten Halbjahr, des starken US-Dollars und der guten Aktien- und Wirtschaftsentwicklung gab der Preis bis Jahresende wieder auf 1.151 US-Dollar nach. Die Jahresperformance machte damit 8,6 % (in US-Dollar, in Euro + 5,4 %) aus.

 

Die Ereignisse des letzten Jahres beeinflussten insbesondere auch die Weltwährungen stark. Nachdem der US-Dollar schwach startete (Fortführung der moderaten Leitzinspolitik der FED; ggü. dem Euro verlor der Greenback bis Mai fast 7 %), läutete die FED dann die Wende mit der Ankündigung von näher rückenden Leitzinserhöhungen auf Basis guter Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten ein. 

Einen erheblichen Schub erhielt der US-Dollar durch die Wahl Trumps und sein Credo „America first“ bzw. die angekündigten Staatsausgaben und Steuersenkungen. Bis Mitte Dezember stieg der Dollar auf ein 14-Jahreshoch ggü. dem Euro an (1,036 €/USD) und beendete das Jahr bei 1,052 €/USD, womit er insgesamt um 3,2 % zulegte. 

Nach dem Brexit entzogen die Anleger dem Britischen Pfund das Vertrauen, so dass es in 2016 rund 15,6 % ggü. dem Euro. 

Der japanische Yen schwankte (ggü. dem Euro) am stärksten. Bis Juni stieg er um 16,2 % an und beendet das Jahr letztendlich mit einem Zugewinn mit rund 6 %. 

Im Fazit waren also Anlagen von Euro-Investoren in US-Dollar oder Yen lukrativ und in Pfund negativ. Viel spricht dafür, dass dies auch zu großen Teilen im neuen Jahr so bleiben könnte.

 

Das gerade begonnene Jahr 2017 wird voraussichtlich insbesondere von der Vielzahl der anstehenden Wahlen bzw. deren Ergebnissen im Ausland (Niederlande, Frankreich, Italien?) sowie im Inland (Saarland, NRW, Bundestag) geprägt werden. Zudem wird abzuwarten sein, welche konkreten Maßnahmen Donald Trump ergreift („Trumponomics“, Protektionismus), wie der Brexit abgewickelt werden wird und ob die Erholung der chinesischen Wirtschaft anhält. Terror und geopolitische Krisen stellen stets Risikofaktoren dar. In vielen Teilbereichen der Kapitalmärkte wurden zudem mittlerweile ambitionierte Niveaus erreicht, die diese Anlagen anfällig für größere Korrekturen machen. 

 

Die Folgen der geld- und geopolitischen Unsicherheiten können nicht seriös vorhergesagt werden. Sicher ist nur, dass das Niedrigzinsumfeld weiter andauern wird (trotz der Leitzinserhöhungen in den USA) und die Investoren somit wieder gezwungen sein werden, in andere chancen- aber auch risikoreichere Anlagen auszuweichen, um die Diversifikation der Gesamtanlagen auszubauen und die Renditeziele zu erreichen. Problematisch könnte sein, dass in vielen Fällen die aufsichtsrechtlichen und/oder internen Anlagegrenzen ausgeschöpft sind und/oder die vorzunehmenden Stresstests keine größeren Risikopositionen mehr zulassen.

Kapitalmarktentwicklung 1. Januar bis 31. Dezember2016

Anlagesegment
Benchmark
Performance
GELDMARKT
Euro-Raum
Euribor 3 Monate
- 0,26%

AKTIEN

(in Euro)

Deutschland

Eurozone
Europa
USA
Japan

Emerging Markets
Nebenwerte Europa
Welt

Dax 30

MSCI EMU
MSCI Europa
MSCI USA
MSCI Japan

MSCI EM
MSCI Europa Small Caps
MSCI Welt

 +  6,87 %

 +  4,37 %

 +  2,58 %

 + 14,21 %

 +  5,44 %

 + 14,51 %

 +  0,86 %

 + 10,73 %

RENTEN

(in Euro)

Deutschland

Eurozone
Europa

USA
Welt
Emerging Markets
Unternehmensanleihen Euroland
Wandelanleihen Global

10 Jahre Bundesanleihen

30 Jahre Bundesanleihen

10 Jahre US-Staatsanleihen

JP Morgan Deutschland

JP Morgan EMU
JP Morgan Europa
JP Morgan USA

JP Morgan Welt
JP Morgan EMBI  Global
ML EMU Corporates
TR CB Investm. Grade Global

+   4,08 %

+   3,13 %

+   1,57 %

+   4,13 %

+   4,60 %

+ 13,49 %

+   4,75 %

+   7,72 %

 

0,63 % -> 0,21 % 

1,49 % -> 0,95 % 

2,28 % -> 2,43 % 

(01/16) -> (12/16) 

ROHSTOFFE

(in USD)

Bloomberg Commodities
(breit gestreuter Index)

Öl (Sorte Brent)

Gold

Silber

+ 15,16 %

 

+ 45,41 %

+  8,58 %

+ 15,18 %

WÄHRUNG

Euro/US-$

 

 

Euro/Yen

1,086 -> 1,051

(- 3,22 %)

 

130,65 -> 122,87

(- 5,95 %)