Aktuelles vom Kapitalmarkt

per 30.09.2016

 

Das 3. Quartal 2016 war ein „Sommer des Abwartens“ … insbesondere auf die Entscheidungen der Notenbanken.

Die depressive Finanzmarktstimmung des 1. Halbjahres ist nach dem letzten Quartal verflogen. Trotz diverser schwelender Krisenherde (Brexit-Abwicklung, US-Präsidentenwahl Anfang November, Verfassungsreferendum Italien Anfang Dezember, Bankenkrise in Europa (Italien + Deutsche Bank)) hat sich in den letzten Monaten über praktisch alle Anlagearten hinweg ein Aufwärtstrend etabliert. Dabei wird aber langsam die Luft gerade für europäische, japanische und amerikanische Staatsanleihen dünner. Zwar fungieren die EZB und die Bank of Japan (BoJ) durch Ihre Geldschwemme unvermindert als größte Stützen der Märkte, gleichwohl nimmt der Gegenwind durch leicht steigende US-Zinsen (Erwartung an nächste Leitzinserhöhung nach den Wahlen, d. h. im Dezember) und eine moderat zunehmende globale Inflation zu.
Die derzeitige Erwartung an eine positive weltweite Wachstumsdynamik und die unverändert extrem niedrigen Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen sollten weiterhin Risikoanlagen unterstützen. Dies gilt vor allem für Aktien und High Yield-Anleihen. Rohstoffe werden uneinheitlich tendieren. Edelmetalle profitieren grundsätzlich von der hohe Volatilität an den Märkten und Öl von geplanten Produktionsdeckelungen der OPEC und Russlands. Agrarrohstoffe tendieren wohl eher schwächer.

Ein maßgeblicher Unsicherheitsfaktor in den nächsten Wochen und Monaten ist die zunehmende Skepsis der Marktteilnehmer bezüglich der tatsächlichen Wirksamkeit der geldpolitischen Maßnahmen. Einerseits stellen sich kaum positive Impulse ein, speziell der angestrebte Inflationsanstieg Richtung 2 % bleibt (noch) aus. Andererseits bestehen die Fragen nach der Rückführbarkeit der expansiven Politik (Konjunktureinbrüche als Folge?) und die Angst vor nachhaltigen Vermögensblasen, z. B. im Immobilienmarkt. Auch wird die Kritik an der Notenbankpolitik immer lauter, da sie Sparprozesse vernichtet und die Altersvorsorge extrem erschwert bzw. verteuert.

Anfang des 3. Quartals erreichten die Renditen international neue Tiefstände. So notierte die Rendite der 10jährigen Bundesanleihe am 06.07. bei - 0,20 % (Jahresanfang 0,63 %). Die der 10jährigen US-Staatsanleihe fiel auf 1,32 % zurück (Jahresanfang 2,28 %). Auf der anderen Seite stieg am 06.07. der Goldpreis auf sein bisheriges Jahreshoch von 1,375 USD an. Ursächlich waren die Nachwehen des Brexit und aufkommende Sorgen um die Weltkonjunktur.

Per Saldo stagnierten dann aber die Renditen der Staatsanleihen der führenden Länder im    3. Quartal gegenüber dem Stand zur Jahresmitte. Die 10jährige Bundesanleihe steht am 30.09. bei einer Rendite von - 0,12 % und die 10jährige US-Treasury bei 1,61 %. Interessant ist, dass auch die Renditen britischer Anleihen stark nachgaben, da mit stützenden Maßnahmen der Bank of England (BoE) nach dem Volksentscheid gerechnet wurde.

Mittlerweile notieren im Übrigen über ein Drittel aller Staatsanleihen weltweit im negativen Bereich, über 70 % unter 1 % Rendite. In Deutschland bringen derzeit 90 % der Staatsanleihen eine negative Rendite.

Historisch Einmaliges für die Eurozone ist Deutschland gelungen: Mitte Juli konnte eine 10jährige Bundesanleihe am Markt platziert werden, die einen Null-Kupon aufweist (Emissionsrendite - 0,05 %)! Dies ist vorher nur Japan und der Schweiz gelungen. Im Fazit sammelt Deutschland also mehr Geld ein, als es in zehn Jahren zurückzahlen muss. Gerüchte besagen, dass die EZB wohl dass Groh der Anleihe gekauft hat, um ihr Aufkaufprogramm erfüllen zu können.

Die BoJ hat im September ihre Stützungsmaßnahmen ausgeweitet und steuert nun statt bisher die Geldmenge die gesamte Zinskurve, d. h. nicht mehr nur das kurze Ende. Der 10jährige Zins wurde dabei bei 0 % festgezurrt. Aktuell hält die BoJ bereits 40 % der gesamten Staatsschulden den Landes.

Eine sehr starke Wertentwicklung zeigten im Sommer vor allem europäische, gut geratete Unternehmensanleihen, da die EZB begann, auch diese Art von Anleihen aufzukaufen. Teilweise hat die Notenbank dabei ganze Neuemissionen von größeren Unternehmen - zu niedrigsten Renditen - übernommen. Zudem werden auch auf USD lautende Papiere gekauft, sofern der Emittent eine Adresse aus der Eurozone mit bester Bonität ist, z. B. Daimler.
Im Ergebnis existiert nun, nach den Staatsanleihen, praktisch auch kein wirklich fungibler Markt für Unternehmensanleihen mehr in der Eurozone. Größere Neuanlagen sind mehr oder weniger unmöglich geworden. Im Ergebnis nimmt zudem die Volatilität der Kursbewegungen erheblich zu.

Für Aktien war das 3. Quartal ein sehr gutes (u. a. DAX + 8 %, Japan + 6 %, Schwellenländer + 10 %). Vor allem die Sorge vor dem traditionell eher schlechten September hat sich nicht bewahrheitet. Der größte Teil der massiven Verluste aus dem Januar/Februar und nach der Brexit-Talfahrt Ende Juni konnte bis Ende des Quartals ausgeglichen werden.
Die Wertenwicklung des Dax beträgt nach neun Monaten nur noch - 2 %, die der europäischen Börsen (unter starkem Einfluss britischer und Schweizer Werte) - 3 %. Diese Ergebnisse liegen allerdings unter den Höchstständen, die am 15.08. eintraten. Zu dem Zeitpunkt hatten die deutsche und die europäischen Börsen leicht positive Performanceresultate für das laufende Jahr erzielt.
Mitte August notierten als Folge günstigerer Unternehmensdaten sämtliche amerikanischen Aktienindices auf neuen historischen Höchstkursen. Im Sommer wiesen 65 % der US-Aktien höhere (Dividenden)Renditen als 10jährige US-Staatsanleihen auf. Die US-Börsen verzeichnen zudem mittlerweile die zweitlängste Wachstumsphase ihrer Geschichte (über sieben Jahre), allerdings nehmen die Zuwachsraten aktuell merklich ab.

Die Hauptgewinner des bisherigen Jahres waren mit Abstand die Märkte der Schwellenländer, egal ob Aktien oder Anleihen. Die Aktienbörsen erreichten dabei eine Wertentwicklung per Ende September von über 12 % und die Rentenmärkte von über 10 %.
Primär die asiatischen Länder entwickelten sich hervorragend. Die Gründe sind die wieder besseren Konjunkturdaten aus China (der Remimbi gehört ab dem 01.10. zum IWF-Weltwährungskorb, zu Lasten des Euro und des britischen Pfundes), die merkliche Stabilisierung der Rohstoffpreise, einige Wahlen, die wirtschaftsfreundliche Regierungen hervorbrachten (z. B. Argentinien), Reformen in wesentlichen Ländern (z. B. Indien) und speziell auch der per Saldo leichtere US-Dollar.

Letztendlich haben aber primär die unverändert niedrigen/sinkenden Renditen in den etablierten Märkten geholfen, da der Anlagenotstand die Investoren in die Schwellenländer getrieben hat und es unverändert tut.

Insgesamt ist es wenig überraschend, dass der Risikoneigung aller Investoren laufend zunimmt.
Weiter gesunkene Renditen bei Staats- und Unternehmensanleihen guter Qualität und die schon weit vorgelaufenen großen Aktienmärkte zwingen zur Suche nach Alternativen. Dabei fallen immer mehr die favorisierten Immobilienmärkte aus, da hier ein massiver Verdrängungswettbewerb um die besten Objekte herrscht, was die Anfangsrenditen auf uninteressante Niveaus drückt.
Zuflucht nehmen die Investoren daher, wie zuvor erläutert, in den Schwellenländern, in Infrastrukturinvestments und in allen nicht gelisteten, d. h. von Börsenkursen unabhängigen, Anlageformen (Private Equity, Loans, ABS-Strukturen).
Eine nachhaltige Veränderung dieser Gesamtlage ist in den nächsten Monaten -ohne eine Verschärfung der schwelenden Krisenherde- nicht zu erwarten. Auch eine weitere Anhebung der US-Leitzinsen im Dezember wird hieran wohl nichts ändern (zu Jahresbeginn waren noch bis zu vier Anhebungen erwartet worden).

Die Aktien-, Renten-, Devisenmärkte und mindestens zum Teil auch die Immobilienmärkte spiegeln seit langem nicht mehr die Lage der Realwirtschaft wieder, sondern reagieren nur noch auf die globale Geldpolitik. Dies ist auch der Grund, warum seit Monaten schlechte volkswirtschaftliche Daten mit Zugewinnen bei Aktien beantwortet werden („good news are bad news“)… sie halten die Erwartung an die Fortdauer der massiv expansiven Geldpolitik am Leben. Kommt sogar noch das „Helikoptergeld“, also die direkte Unterstützung von Unternehmen und Verbrauchern mit Geld?

Kapitalmarktentwicklung 1. Januar bis 30. Juni 2016

Anlagesegment
Benchmark
Performance
GELDMARKT
Euro-Raum
Euribor 3 Monate
- 0,19%

AKTIEN

(in Euro)

Deutschland

Eurozone
Europa
USA
Japan

Emerging Markets
Nebenwerte Europa
Welt

Dax 30

MSCI EMU
MSCI Europa
MSCI USA
MSCI Japan

MSCI EM
MSCI Europa Small Caps
MSCI Welt

- 2,16 %
- 3,38 %
- 3,34 %
+ 3,69 %
- 0,88 %
+ 12,15 %
- 2,43 %
- 2,03 %

RENTEN

(in Euro)

Deutschland

Eurozone
Europa

USA
Welt
Emerging Markets
Unternehmensanleihen Euroland
Wandelanleihen Global

10 Jahre Bundesanleihen

30 Jahre Bundesanleihen

10 Jahre US-Staatsanleihen

JP Morgan Deutschland

JP Morgan EMU
JP Morgan Europa
JP Morgan USA

JP Morgan Welt
JP Morgan EMBI  Global
ML EMU Corporates
TR CB Investm. Grade Global

+ 6,73 %
+ 6,33 %
+ 4,62 %
+ 1,92 %
+ 7,06 %
+ 10,94 %
+ 6,09 %
+ 1,11 %
 

+ 0,63 % -> - 0,12 %
+ 1,49 % -> + 0,45 %
+ 2,28 % -> + 1,61 %

(01/16) -> (09/16)

ROHSTOFFE

(in USD)

Bloomberg Commodities
(breit gestreuter Index)

Öl (Sorte Brent)

Gold

Silber

+ 5,35 %

+ 29,40 %
+ 24,06 %
+ 38,47 %
WÄHRUNG
Euro/US-$
1,086 -> 1,124
(01/16) -> (09/16)
(+ 3,50 %)