Medizinisches Fachpersonal

FAQ - Stillen

Ist man während der Stillzeit vor einer erneuten Schwangerschaft geschützt?

 

Es ist bekannt, dass in der Stillzeit die Regelblutung ausbleibt, allerdings ist dies nur unter folgenden Bedingungen als sichere und zuverlässige Verhütungsmethode anzusehen:1

 

 

  • Die Mutter stillt das Baby voll oder praktisch voll. Das Baby wird Tag und Nacht nach Bedarf gestillt, wobei zwischen den Fütterzeiten maximal 6 Stunden liegen. Wenn nicht voll gestillt wird, kommt es häufiger zu einem Eisprung und die Regelblutung bleibt weniger häufig aus.1
  • Wenn die Menstruation nach 8 Wochen wieder einsetzt, erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Wenn dies nicht gewünscht wird, ist eine entsprechende Verhütungsmethode anzuwenden. Blutungen in den ersten 8 Wochen nach der Geburt sind jedoch höchstwahrscheinlich kein Anzeichen für uneingeschränkte Fruchtbarkeit.1
  • Wenn das Baby älter als 6 Monate ist, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, auch wenn es noch gestillt wird. Zu diesem Zeitpunkt sollte die Mutter mit ihrem Arzt über geeignete Verhütungsmethoden sprechen.1
  • Wenn die Mutter nicht stillen möchte bzw. bald abstillt, sollte sie entsprechend früher wieder ein Verhütungsmittel verwenden, da auch zu einem früheren Zeitpunkt wieder mit einem Eisprung gerechnet werden kann. Die geeignete Methode sollte sie mit ihrem Arzt besprechen.1

 

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Können Babys mit einer Zungenverwachsung/Gaumenspalte trotzdem gestillt werden?

 

Solange das Baby richtig angelegt werden kann und wie vorgesehen zunimmt, ist ein chirurgischer Eingriff zur Beseitigung der Verwachsung nicht erforderlich. Wenn Babys mit einer Gaumenspalte nicht saugen können, kann die abgepumpte Muttermilch mit einem speziellen extrabreiten Sauger gefüttert werden. Rat und Unterstützung durch einen Spezialisten ist einzuholen, damit das Stillen/Füttern erfolgreich verläuft.

 

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Wie weiß eine Mutter, ob sie genug Milch für das Baby hat?

 

Einer der Hauptgründe, warum Frauen mit dem Stillen aufhören, ist die Vermutung, dass sie nicht genug Milch haben.2 Zur Beruhigung für die Mutter gilt jedoch: Solange das Baby gesund ist und zunimmt, braucht es keine zusätzlichen Flüssigkeiten oder andere Nahrung.


Ahluwalia et al2 fanden 2005 folgende Prozentsätze für Frauen, die aufgrund der Vermutung abstillten, dass sie nicht genug Milch produzierten:

 

  • 28,1 % hörten < 1 Woche nach Beginn des Stillens damit auf
  • 38,8 % hörten 1-4 Wochen nach Beginn des Stillens auf
  • 37,1 % hörten > 4 Wochen nach Beginn des Stillens auf

    Das gilt vor allem für die Zeit, in der das Stillen sich richtig einspielt (etwa 6 Wochen), da das Füttern aus der Flasche Beginn und Fortsetzen des Stillens beeinträchtigen kann.1

 

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Dürfen HIV-positive Mütter stillen?

 

Wenn es für HIV-positive Frauen eine sichere und aus Nährstoffsicht gleichwertige Alternative gibt, wird das Stillen nicht empfohlen, da das Virus dadurch übertragen werden kann,1 vor allem an Neugeborene.3

 

Wenn jedoch Infektionskrankheiten und Mangelernährung die Hauptursachen der Säuglingssterblichkeit sind, erhöht eine künstliche Fütterung das Risiko für Erkrankung und Tod unabhängig vom HIV-Status erheblich1; eine Entscheidung ist daher unter Berücksichtigung der individuellen/örtlichen Gegebenheiten zu treffen.1

 

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Wie wird eine Gelbsucht behandelt?

 

Es ist normal und nicht ungewöhnlich, dass auch gesunde Neugeborene eine Gelbsucht entwickeln - 15% der reifgeborenen Babys, noch mehr der frühgeborenen. Meistens ist eine Gelbsucht bei Neugeborenen physiologischer Natur und nur selten gefährlich.

 

Bei einigen wenigen Babys ist die Gelbsucht jedoch Anzeichen einer schweren Erkrankung. In diesen Fällen tritt sie im Allgemeinen früh auf und/oder verläuft schwer. Häufige Ursachen einer schweren Gelbsucht sind hämolytische Krankheiten unterschiedlicher Ätiologie sowie Infektionen.

 

Gelbsucht tritt häufig in der ersten Lebenswoche auf. Grund dafür ist, dass der Körper des Babys überschüssige rote Blutkörperchen abbaut und ein gelbes Pigment, das Bilirubin, produziert. Durch das eingelagerte Bilirubin verfärbt sich die Haut, manchmal auch das Weiße der Augen.


Die physiologische Gelbsucht ist ein vorübergehender Zustand, der in den ersten Lebenstagen auftritt und im Normalfall ohne Behandlung von selbst verschwindet. Regelmäßiges Stillen und Tageslicht unterstützen diesen Vorgang.


Eine Gelbsucht, die bereits am ersten Tag auftritt, ist weniger normal und wahrscheinlich auf eine Erkrankung zurückzuführen. Diese Gelbsucht muss umgehend behandelt werden. Zur Behandlung einer länger dauernden Gelbsucht und zur Reduzierung der Bilirubinwerte kann eine Lichttherapie eingesetzt werden. Das Baby wird weiterhin gestillt und die Stillhäufigkeit ggf. erhöht.

 

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Wie erkenne ich eine Wochenbettdepression?

 

In der Zeit nach der Geburt kann es leicht zu emotionalen und psychologischen Störungen kommen. Das Ende der Schwangerschaft und die Geburt können schwierig sein, der Körper verändert sich schnell, vor allem in hormoneller Hinsicht. In den ersten Tagen nach der Geburt ist der Körper häufig empfindlich und schmerzt.1

 

Viele Mütter erleben den „Baby-Blues“, wenn sich Körper und Geist mit den hormonellen Veränderungen abzufinden versuchen; dazu kommen andere umwälzende Erlebnisse in der ersten Woche. Symptome einer Wochenbettdepression sind u. a.:

 

  • Oft traurig und niedergeschlagen
  • Häufiges Weinen bzw. nah am Wasser gebaut
  • Unruhe, Reizbarkeit oder Angespanntsein
  • Kein Interesse und keine Freude am Leben
  • Appetitlosigkeit
  • Weniger Energie und Motivation, Dinge zu erledigen
  • Schlafschwierigkeiten, u. a. Probleme beim Ein- oder Durchschlafen, größeres Schlafbedürfnis
  • Gefühl der Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Schuldgefühle
  • Unerklärliche Gewichtsab- oder -zunahme
  • Gefühl, das Leben ist nicht lebenswert
  • Nur wenig Interesse am Baby

 

Die Behandlung einer Wochenbettdepression besteht aus einer Psychotherapie und Antidepressiva, unterscheidet sich also nicht von der Therapie anderer Depressionen. Wenn Pflegepersonal und Familie die Mutter unterstützen, ist die Wahrscheinlichkeit einer Depression nach 6 Monaten geringer.1

 

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Gesammelte Fußnoten:

 

1. Postpartum Care of the Mother and Newborn: a practical guide, Report of a Technical Working Group, World Health Organization, WHO/RHT/MSM/98,3, verfügbar unter http://www.who.int/making_pregnancy_safer/documents/who_rht_msm_983/en/index.html, aufgerufen September 2008.
2. Ahluwalia IB, et al. Pediatrics 2005;116(6):1408–1412.

3. Coovadia HM et al. Lancet 2007;369(9567):1107–1116.

FAQ - Brustpflege

Wie werden durch das Stillen wund gewordene Brustwarzen behandelt und verhindert?

 

Wunde Brustwarzen sind meist ein Zeichen dafür, dass das Baby beim Stillen nicht richtig anliegt. Die Brustwarze wird in den Mund hinein- und wieder herausgezogen, es entsteht Reibung und Wundsein.1

Eine Brustwarzensalbe schützt und pflegt die Brustwarzen. Wenn die Brustwarzen extrem wund sind, können unter Anleitung eines Arztes bzw. einer Hebamme oder Stillberaterin Brusthütchen verwendet werden.


Folgende Abläufe/Methoden helfen, wunde Brustwarzen zu verhindern bzw. die Heilung zu unterstützen:

 

  • Das richtige Anlegen zeigen.
  • Die Brustwarzen sollten möglichst viel frische Luft bekommen.
  • Ggf. kann die Mutter einen oder zwei Tage lang Milch aus einer Brust abpumpen, damit die Heilung schneller vonstattengeht.

 

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Wie wird ein Milchstau behandelt und verhindert?

 

Ein Milchstau (Dehnen des Brustgewebes) entsteht durch unsachgemäßes Anlegen oder zu lange Pausen zwischen dem Stillen und kann vor allem während des Milcheinschusses2 zum Problem werden. Zum Lösen des Milchstaus können Brustschalen verwendet werden; das richtige Anlegen sollte erläutert werden, um einem Milchstau vorzubeugen.1 Es ist darauf zu achten, dass die Brust immer ganz entleert wird.

 

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Wie wird eine Mastitis und verstopfte Milchgänge behandelt und verhindert?

 

Anfangs rührt eine Mastitis wahrscheinlich vom unzureichenden Entleeren eines Teils oder der ganzen Brust aufgrund des unsachgemäßen Anlegens oder der schlechten Saugtechnik; deshalb sind zu diesem Zeitpunkt noch keine Antibiotika angezeigt.1,2


Vielmehr sollte die Stilltechnik korrigiert werden, sodass das Baby besser an der Brust anliegt und die Milch aus dem betroffenen Bereich geleert wird. Das Stillen sollte jedoch weitergeführt werden.1,2


Bei einer akuten Mastitis oder wenn sich der Zustand nicht innerhalb von 12-24 Stunden verbessert, ist ein Arzt aufzusuchen, der ggf. ein Antibiotikum verschreibt.1 Bei einer akuten infektiösen Mastitis muss die betroffene Brust entleert werden, das Baby wird aus der anderen Brust gestillt.


Wenn die Mastitis nicht infektiös ist, wird empfohlen, zuerst aus der betroffenen Brust zu stillen, damit so viel wie möglich Milch entleert wird.

 

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Was ist Soor, und kann trotzdem gestillt werden?

 

Soor ist eine Hefepilzinfektion der Brust, Symptome sind Schmerzen beim Stillen und manchmal gerötete Brustwarzen - nicht unbedingt weiße Flecken. Der Mund des Babys ist in diesem Fall auch auf Soor-Symptome zu untersuchen. Es kann unbesorgt weitergestillt werden, möglicherweise müssen Mutter und Kind aber mit einem Antifungizid behandelt werden. Bei Verdacht auf Soor ist ein Arzt zurate zu ziehen.2,3

 

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Gesammelte Fußnoten:

 

1. Postpartum Care of the Mother and Newborn: a practical guide, Report of a
Technical Working Group, World Health Organization, WHO/RHT/MSM/98,3,
verfügbar unter http://www.who.int/making_pregnancy_safer/documents/who_rht_ msm_983/en/index.html, aufgerufen September 2008.
2. Amir LH, Ingram J. Int Breastfeed J 2008;3(1):22.
3. http://www.nhsdirect.nhs.uk/articles/article.aspx?articleId=2448#anchor1, aufgerufen September 2008.

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