An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist die digitale Pathologie fest im klinischen Alltag verankert und unterstützt sowohl die komplexe Diagnostik als auch die akademische Forschung. Während die Anzahl der Fälle weiterhin deutlich ansteigt, nimmt die Zahl der ausgebildeten Patholog*innen nicht im gleichen Tempo zu. Dieses wachsende Ungleichgewicht machte es zunehmend schwierig, Workflow-Transparenz und Effizienz aufrechtzuerhalten. Von Anfang an war die Vision, einen vollständig digitalen, papierlosen Pathologie-Workflow einzuführen, der den gesamten Prozess von der Fallregistrierung über die Diagnose bis hin zur strukturierten Berichterstattung abdeckt.
Broschüre Digitale Pathologie Universitätsmedizin Göttingen
Mit zunehmenden Fallzahlen und komplexeren diagnostischen Abläufen stand das Pathologieteam vor der Aufgabe, den zunehmend komplizierten Workflow zu kontrollieren. Die Einsendungen über den gesamten Probenpfad hinweg nachzuverfolgen – von der Fallregistrierung über die Diagnose bis zur Berichterstattung – erforderte erhebliche Koordination und manuellen Aufwand.
Gleichzeitig führten Personalfluktuationen zu zusätzlichen Problemen. Gleichbleibende Qualität und stabile Prozesse während Phasen hoher Arbeitsbelastung oder reduzierter Personalstärke aufrechtzuerhalten wurde zu einer dauerhaften Herausforderung. In einem Workflow, der von der physischen Handhabung von Objektträgern abhängt, reduzierten zeitintensive Schritte wie das Sortieren, Transportieren und Heraussuchen von Objektträgern die Effizienz und verzögerten den Zugang zu kritischen Informationen.
Die wertvollste Ressource in der Pathologie ist die Zeit erfahrener Patholog*innen. Ich wollte dieses Kapital so effektiv wie möglich einsetzen
Diese Herausforderungen machten deutlich, dass ein skalierbarerer, transparenterer und effizienterer Ansatz erforderlich ist.
Die digitale Pathologie hat die Arbeitsweise im Institut grundlegend verändert. Manuelle Schritte wie das Sortieren und der physische Transport von Objektträgern zu den Ärzt*innen wurden reduziert, was parallele Arbeitsabläufe ermöglicht und Verzögerungen in der Fallbearbeitung reduziert. Patholog*innen arbeiten mit digitalen Falllisten, wodurch sie dringende Fälle priorisieren und sich stärker auf die Diagnostik statt auf das Fallmanagement konzentrieren können. Eine der deutlichsten Veränderungen ist die Möglichkeit, Fälle jederzeit öffnen zu können – unabhängig von der physischen Verfügbarkeit der Objektträger.
Ich kann jetzt einen Fall sofort öffnen, sogar während ich mit einem Kliniker telefoniere und ihm und seinem Patienten sofort Informationen liefern.
Die Transformation erforderte eine sorgfältige Vorbereitung und die schrittweise Anpassung bestehender Arbeitsabläufe. Der neue Workflow wurde stufenweise eingeführt, damit sich die Patholog*innen an das Arbeiten ohne Mikroskop gewöhnen konnten. Während der Einführungsphase wurde das Institut bei der Integration der Lösung durch Philips begleitet, sodass der Übergang in die digitale Routinediagnostik ohne größere Beeinträchtigungen des laufenden Betriebs erfolgen konnte. Fälle konnten unkompliziert für Zweitmeinungen geteilt werden, und der ortsunabhängige Zugriff auf digitale Objektträger schuf zusätzliche Flexibilität bei der Organisation der diagnostischen Arbeit.
Für die wirtschaftliche Bewertung wurden messbare Kennzahlen ebenso berücksichtigt wie qualitative Faktoren. Ein besonderer Fokus lag auf den Zeitverlusten, die durch manuelle Arbeitsschritte wie das erneute Heraussuchen und den Transport von Objektträgern entstehen. Das Institut analysierte die damit verbundenen Kosten und bewertete, in welchem Umfang digitale Arbeitsabläufe die Produktivität steigern können.
Parallel ermöglichten digitale Workflows mehr Flexibilität bei der Organisation der täglichen Arbeit. Das Institut sah darin einen wichtigen Faktor für die Zufriedenheit der Mitarbeitenden sowie für die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte in diesem hochspezialisierten Bereich. Im Laufe der Zeit schuf die digitale Pathologie zudem zusätzliche Kapazitäten, die es dem Team ermöglichten, steigende Fallzahlen ohne entsprechende Ausweitung der personellen Ressourcen zu bewältigen.
Im Rahmen seiner fortlaufenden Optimierungsreise bereitet das Institut den Übergang von Ultra Fast Scanners (UFS) zu Pathology Scanners (SG) vor. Diese Scanner der nächsten Generation unterstützen eine effiziente Bildakquise, reduzieren die Scanzeiten um etwa 15 % gegenüber früheren Systemen[2] und ermöglichen einen hochdurchsatzfähigen Tagesbetrieb.
Mit Netto-Scanzeiten von rund 45 Sekunden tragen die Scanner zur Produktivitätssteigerung und zur Straffung der Laborabläufe bei. Parallel dazu führt die Plattform größere Flexibilität im Datenmanagement ein. Die Möglichkeit, Daten an mehreren Netzwerkstandorten zu speichern, erleichtert die Verwaltung und schafft die technischen Voraussetzungen für zukünftige Standards wie DICOM-basierte Workflows. Zusammen tragen diese Fortschritte zu einer effizienteren Nutzung der Infrastruktur bei und bereiten das Labor auf skalierbare, zukunftsfähige digitale Pathologie-Operationen vor.
Wenn KI im Viewer zugänglich ist, ohne die Arbeitsweise der Pathologen zu stören, hat sie das Potenzial, Ineffizienzen zu reduzieren, Hürden für die Einführung zu senken und tatsächlich Produktivität und diagnostische Workflows in der Praxis zu unterstützen.
Nachdem die digitale Pathologie erfolgreich im Routinebetrieb etabliert worden war, erfolgte in Göttingen die Umstellung von Philips IntelliSite Pathology Solution (PIPS) 3 auf PIPS 6. Mit dem Wechsel wurde der langfristige Support der Plattform sichergestellt. Gleichzeitig erhielt das Institut Zugriff auf neue Funktionen, darunter eine verbesserte Skalierbarkeit, eine höhere Leistungsfähigkeit der Arbeitsabläufe sowie die Möglichkeit, künftig KI-Anwendungen[1] zu integrieren.
Zudem erleichtert die digitale Plattform die Zusammenarbeit innerhalb des Instituts. Da Fälle jederzeit verfügbar sind, können Pathologinnen und Pathologen unkompliziert Zweitmeinungen einholen, Kolleginnen und Kollegen in der Weiterbildung unterstützen oder klinische Fragestellungen direkt mit den behandelnden Teams besprechen. Der unmittelbare Zugriff auf digitalisierte Objektträger – auch während gemeinsamer Fallbesprechungen – beschleunigt die Kommunikation und unterstützt einen reibungsloseren diagnostischen Ablauf.[3]
Obwohl der gewohnte Arbeitsablauf für die Anwenderinnen und Anwender weitgehend erhalten bleibt, bietet die Weiterentwicklung eine solide Grundlage für die zukünftige Gestaltung digitaler Arbeitsprozesse, einschließlich cloudbasierter Datenverwaltung und eine bessere Anbindung an andere Systeme. Damit legte das Institut die Grundlage, neue Technologien wie KI-Anwendungen schrittweise in den diagnostischen Alltag zu integrieren und die digitale Pathologie langfristig weiterzuentwickeln.
Gerade in einem ausbildungsintensiven akademischen Umfeld senkt dies die Schwellen für Interaktion erheblich, reduziert unproduktive Zeiten, etwa das Warten von Assistenten auf Verfügbarkeit, und ermöglicht kontinuierlicheres, fallbasiertes Lernen.
Mit der vollständig etablierten digitalen Pathologie erforscht Göttingen aktiv die Rolle der künstlichen Intelligenz in Klinik und Forschung. Derzeit sind KI-Anwendungen auf spezifische Anwendungsfälle beschränkt und decken nur einen kleinen Teil der Gesamtarbeitslast ab. Voraussetzung für den breiteren Einsatz von KI sind Lösungen, die in die bestehenden Arbeitsabläufe integriert werden können und den Diagnose- und Befundungsprozess gezielt unterstützen. Dabei hat sich gezeigt, dass zunächst die erforderlichen digitalen Strukturen und eine belastbare Datenbasis geschaffen werden müssen, bevor ein erfolgreicher Einsatz von KI in der Routinediagnostik in größerem Umfang möglich ist.
Mit dem Wechsel auf PIPS 6 schaffte Göttingen die Grundlage für diesen nächsten Schritt. KI-Anwendungen[1] wie Ibex können kontextuell direkt im Viewer gestartet werden. Dies ermöglicht Patholog*innen, auf KI-Erkenntnisse zuzugreifen, ohne ihren Workflow verlassen zu müssen.
Studien und Erfahrungen aus anderen Implementierungen der digitalen Pathologie deuten darauf hin, dass KI-gestützte Workflows die Effizienz steigern und die diagnostische Qualität unterstützen können.[4,5] Vor diesem Hintergrund bietet die Integration solcher Anwendungen die Möglichkeit, Pathologinnen und Pathologen bei der Bearbeitung wachsender Fallzahlen und komplexer diagnostischer Fragestellungen zu unterstützen.
Die Verbindung aus digitaler Pathologie und integrierten KI-Anwendungen bildet die Grundlage für die weitere Entwicklung der diagnostischen Arbeitsabläufe. KI kann dabei direkt in bestehende Prozesse eingebunden werden und Pathologinnen und Pathologen unterstützen, Befunde konsistenter zu beurteilen und Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten.
Was den Unterschied ausmachte, war, dass Philips uns nicht nur mit Technologie unterstützte, sondern auch bei Implementierung, der Integration in unsere Arbeitsabläufe und praxisnaher Begleitung während der Einführung.
Für Patholog*innen ist ein effizienter Umgang mit der verfügbaren Zeit von zentraler Bedeutung. Die digitale Pathologie kann dazu beitragen, den Aufwand für organisatorische und administrative Tätigkeiten zu reduzieren und wichtige Informationen schneller verfügbar zu machen. Dadurch bleibt mehr Zeit für die diagnostische Beurteilung und die Beantwortung klinischer Fragestellungen. Dies kann wiederum dazu beitragen, dass Behandlungsteams schneller über die für ihre Entscheidungen relevanten Informationen verfügen.
Die Erfahrungen der Universitätsmedizin Göttingen zeigen, wie digitale Pathologie dazu beitragen kann, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten, die Zusammenarbeit zu erleichtern und vorhandene Fachkompetenz besser nutzbar zu machen. Philips begleitete diese Transformation nicht nur technisch, sondern auch bei der Integration in bestehende Prozesse und Arbeitsabläufe. Ziel war es, den Übergang in den klinischen Routinebetrieb möglichst reibungslos zu gestalten. Die Zusammenarbeit wird fortgeführt, um die digitale Pathologieumgebung schrittweise weiterzuentwickeln und neue Möglichkeiten – etwa im Bereich KI und Datenmanagement – in die bestehende Infrastruktur einzubinden.
Die Universitätsmedizin Göttingen dient als Referenzzentrum und bietet die Möglichkeit, digitale Pathologie-Workflows in einer routinemäßigen klinischen Umgebung direkt zu erleben. Besucher können erkunden, wie digitale Pathologie in die tägliche Diagnostik integriert ist und Effizienz, Zusammenarbeit sowie hochwertige Patientenversorgung unterstützt.