Kantonsspital Baden und Philips berechnen CO₂-Bilanz von Katheter-Eingriffen
- Jul 31, 2026
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Hamburg / Zürich – Eine gemeinsame Studie des Kantonsspitals Baden (KSB) und Philips evaluiert die Umweltauswirkungen von Untersuchungen im Herzkatheterlabor und in der interventionellen Radiologie. Der CO₂-Ausstoß eines einzelnen Eingriffs liegt je nach Verfahren zwischen 84 und 90 Kilogramm CO₂-Äquivalenten. Verbrauchsmaterialien verursachen den größten Anteil der Emissionen. Dazu entstehen am Tag bis zu 30 Kilogramm Abfall pro Untersuchungsraum. Die Ergebnisse zeigen, an welchen Stellen man in diesen hochspezialisierten medizinischen Bereichen ansetzen muss, um nachhaltigere Prozesse einzuführen. Dabei bleiben Qualität und Patientensicherheit uneingeschränkt bestehen.
Als Grundlage für die Berechnungen wurden die häufigsten Eingriffe im Herzkatheterlabor und in der interventionellen Radiologie herangezogen. Konkret umfasste die Analyse Herzkatheteruntersuchungen und Koronarinterventionen sowie Behandlungen verengter Oberschenkelschlagadern mittels Ballon-Aufdehnung und Stent-Implantationen. Untersucht wurde der gesamte Lebenszyklus der Eingriffe, von Verbrauchsmaterialien und Medizintechnik über Energieverbrauch und Abfallentsorgung bis hin zur langfristigen Speicherung medizinischer Bilddaten.
Verbrauchsmaterialien dominieren die CO₂-Bilanz
Die Analyse ergab, dass der Material-Fußabdruck einer typischen Intervention im Herzkatheterlabor bei durchschnittlich 83,9 Kilogramm CO₂-Äquivalenten liegt. Bei der häufigsten interventionell-radiologischen Behandlung liegt dieser Wert bei 89,9 Kilogramm CO₂-Äquivalenten.
Den Großteil der Emissionen verursachen Einwegmaterialien. Im Untersuchungsjahr 2025 wurden über 224.000 Verbrauchsartikel aus rund 880 unterschiedlichen Materialtypen eingesetzt. Damit liegt der Anteil von Kathetern, Elektroden, Handschuhen, sterile Abdeckungen und weitere Einwegprodukte bei rund 73 Prozent an den gesamten Emissionen.
Überraschend ist der Beitrag der digitalen Infrastruktur. Die dauerhafte Speicherung medizinischer Bilddaten verursacht rund neun Prozent des gesamten CO₂-Fußabdrucks.
Nachhaltigkeit als Teil der Versorgungsqualität
Die Studie ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie des KSB und ergänzt die zahlreichen Maßnahmen, mit denen das Krankenhaus seine Gesundheitsversorgung nachhaltiger gestaltet. Damit ist sie ein weiterer konkreter Schritt, um die Umweltauswirkungen seiner Versorgung systematisch zu erfassen. Auf dieser Grundlage können gezielt Maßnahmen entwickelt werden, um Emissionen zu reduzieren, ohne Kompromisse bei der Patientenversorgung einzugehen.
Nachhaltigkeit und Spitzenmedizin schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer Prozesse kritisch hinterfragt, Ressourcen bewusst einsetzt und Verschwendung reduziert, verbessert häufig auch die Effizienz und Qualität der Versorgung.
Prof. Dr. med. Rahel Kubik
Nachhaltigkeit und Spitzenmedizin schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Wer Prozesse kritisch hinterfragt, Ressourcen bewusst einsetzt und Verschwendung reduziert, verbessert häufig auch die Effizienz und Qualität der Versorgung“, sagt Prof. Dr. med. Rahel Kubik, Chefärztin Radiologie und Direktorin des Departementes Medizinische Dienste am KSB. „Wir haben mit dieser Studie die Voraussetzung geschaffen, um gezielt weitere Maßnahmen in die Wege leiten zu können.“ Über zwei Dutzend Mitarbeitende des KSB waren neben dem Philips Team beteiligt.
Die Zusammenarbeit mit dem KSB zeigt, wie viel erreicht werden kann, wenn engagierte Teams ihr Wissen bündeln. Gemeinsam konnten wir die CO₂-Bilanz ausgewählter Eingriffe in einem realen Spitalumfeld fundiert analysieren.“
Wessel Koopmans
„Die Zusammenarbeit mit dem KSB zeigt, wie viel erreicht werden kann, wenn engagierte Teams ihr Wissen bündeln. Gemeinsam konnten wir die CO₂-Bilanz ausgewählter Eingriffe in einem realen Spitalumfeld fundiert analysieren. Diese Transparenz möchten wir nutzen, um nachhaltige Prozesse im Schweizer Gesundheitswesen weiter voranzubringen“, sagt Wessel Koopmans, Lead Sustainability Consultant DACH bei Philips.
Von der Analyse zur Umsetzung
Auf Basis der Ergebnisse wurden an unterschiedlichen Stellen Verbesserungspotenziale identifiziert. Dazu gehören die stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei Beschaffungen, der vermehrte Einsatz wiederverwendbarer Produkte sowie die Optimierung der langfristigen Datenspeicherung medizinischer Bilddaten, wobei es insbesondere in diesem Bereich strenge regulatorische Vorgaben einzuhalten gilt.
Die Studie empfiehlt zudem, dass das KSB die Green-ID-Zertifizierung der European Society of Radiology anstrebt. Die Analyse zeigt, dass die Mindestvoraussetzungen dafür bereits weitgehend erfüllt sind. Die Zertifizierung ermöglicht es, Nachhaltigkeitsleistungen systematisch zu messen, mit anderen europäischen Spitälern zu vergleichen und kontinuierlich weiterzuentwickeln.