Selbstmanagement
Von Philips
08/16/2023
3-4 Min. Lesezeit

Da Hebammen und andere medizinische Fachkräfte zunehmend sensibler auf die Bedürfnisse von LGBTQI+-Eltern eingehen und Regierungen Transgender-Personen nicht mehr zur Sterilisation zwingen, besteht ein wachsender Bedarf, die traditionelle Sprache im Zusammenhang mit Geburt und Säuglingsernährung zu ändern.
Vor einiger Zeit hat die Academy of Breastfeeding Medicine (ABM) eine Erklärung und Richtlinien zur Sprache im Zusammenhang mit Säuglingsernährung und Stillen veröffentlicht. In Übereinstimmung mit den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation und der Vereinten Nationen "zur Beendigung von Gewalt und Diskriminierung gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transgender und intersexuellen Menschen1", erklärt die ABM, dass die Sprache im Zusammenhang mit Säuglingsernährung so inklusiv wie möglich sein sollte. Dies gilt sowohl für die geschriebene als auch für die gesprochene Sprache – in Broschüren ebenso wie in der Praxis von Hebammen und anderen Fachkräften im Gesundheitswesen.
Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit sind für alle Menschen eine sensible Zeit. Eine LGBTQI+-Person kann sich noch verletzlicher fühlen, wenn ihre Geschlechtsidentität nicht anerkannt und respektiert wird. Darüber hinaus identifizieren sich manche Menschen, die ein Kind zur Welt bringen, als männlich, während andere eine neutralere Geschlechtsidentität bevorzugen, da sie sich weder als männlich noch als weiblich identifizieren.
Der erste Schritt besteht darin, die Person direkt nach ihren bevorzugten Pronomen und ihrer Geschlechtsidentität zu fragen. Sie/ihr/ihr – er/ihm/sein – oder, wenn nicht-binär, xier, dey, en. Wenn Sie eine*n Patient*in nach ihrer Geschlechtsidentität fragen, sollten Sie auch die geschlechtergerechte Bezeichnung für ihre Rolle in Bezug auf das Kind berücksichtigen (und durchgängig verwenden). Dies kann von "Eltern", "Werdenden Eltern" oder einer Kombination aus Begriffen reichen – zum Beispiel "Mütter und werdende Eltern". Es kommt darauf an, zu fragen und dann den bevorzugten Begriff zu verwenden.
Die Sprache rund um das Stillen ist mit weiblichen Begriffen durchsetzt. Daher ist es ratsam, die Geschlechtsidentität der stillenden Person zu berücksichtigen und die Begriffe zu verwenden, mit denen sie sich identifiziert. Im Umgang mit einer Frau, die sich als solche identifiziert, ist es angemessen, von "Muttermilch" oder "Brustmilch" zu sprechen. In anderen Fällen sind jedoch Begriffe wie "Milch", "menschliche Milch", "Elternmilch" oder sogar "Vatermilch" möglicherweise besser geeignet. Der Kontext bleibt jedoch entscheidend.
Der Begriff "Stillen" deckt möglicherweise auch nicht alle Situationen ab. Die ABM empfiehlt eine geschlechtergerechte Sprache, die den betroffenen Personen angemessen ist, darunter: "Bruststillen, Stillen, Abpumpen, Pumpen, Stillen mit menschlicher Milch".
In Schweden, wo die Zwangssterilisation von Transgender-Personen im Jahr 2013 abgeschafft wurde, untersuchte eine Studie die Mikroaggressionen, die Transgender-Männer (bei der Geburt weiblich zugewiesen) im Zusammenhang mit der Geburt und dem Stillen erlebten.
Die Forschenden berichteten, dass diese Männer – die gebärenden Elternteile – während der Schwangerschaft vermehrt Probleme mit Geschlechtsdysphorie hatten. Geschlechtsdysphorie wird von der American Psychiatric Association definiert als "psychisches Leiden, das aus einer Diskrepanz zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und der Geschlechtsidentität einer Person resultiert".
Die Teilnehmenden an der Studie "fühlten sich in der Schwangerschaftsvorsorge als Ausgegrenzte". Die Sprache, die in Beratungsgesprächen, Gruppensitzungen, Informationsmaterialien und Patientenformularen verwendet wurde, setzte Schwangerschaft mit Frauen gleich. Inklusive Formulare wurden nur Transgender-Patientinnen und -Patienten ausgehändigt, wodurch diese als Ausnahme behandelt wurden. Die uneinheitliche Verwendung von Pronomen löste bei einigen von ihnen Geschlechtsdysphorie aus2.
Wenn das medizinische Fachpersonal bereit war, zuzuhören und empathisch auf die Geschlechtsidentität der Patient:innen einging (ohne indiskrete Fragen zu stellen oder Unbehagen zu zeigen), wurde ihnen leichter Vertrauen entgegengebracht. Und Vertrauen ist ein wesentlicher Bestandteil der Beziehung zwischen Eltern und ihrer Hebamme.
Bartick M, Stehel EK, Calhoun SL, Feldman-Winter L, Zimmerman D, Noble L, Rosen-Carole C, Kair LR. Academy of Breastfeeding Medicine Position Statement and Guideline: Infant Feeding and Lactation-Related Language and Gender. Breastfeed Med. 2021 Aug;16(8):587-590.
Falck F, Frisén L, Dhejne C & Armuand G (2021) Undergoing pregnancy and childbirth as trans masculine in Sweden: experiencing and dealing with structural discrimination, gender norms and microaggressions in antenatal care, delivery and gender clinics, International Journal of Transgender Health, 22:1-2, 42-53, DOI: 10.1080/26895269.2020.1845905