NIV bei der Behandlung von Exazerbationen der COPD

Patienten mit Exazerbationen ihrer COPD stellen die wichtigste Patientengruppe dar, für die sich NIV als vorteilhaft erwiesen hat. Invasive Beatmung mit ihrem Risiko einer ventilator-assoziierten Pneumonie führt bei Patienten mit Exazerbationen ihrer COPD zu einer hohen Mortalität. Es liegen mehrere randomisierte kontrollierte Studien vor, die belegen, dass nichtinvasive Beatmung die Mortalität senkt, Patientenbeschwerden lindert und im Vergleich zur Standardtherapie den Krankenhausaufenthalt bei COPD-Exazerbationen verkürzt.¹

 

Diese deutlichen Belege wurden im Rahmen der Konsenserreichung und Richtlinienerstellung zum Thema NIV überprüft und NIV wurde zur Standardbehandlung für schwere Exazerbationen bei COPD erklärt. Im Jahr 2002 empfahl das British Standard of Care Committee, dass alle Einrichtungen, die Patienten mit COPD aufnehmen, für den Einsatz von NIV vorbereitet sein sollten. Diese Empfehlungen sind nach mehreren Jahren nach wie vor gültig. Die Canadian Clinical Practice Guidelines für die Anwendung von nichtinvasiver Auch die S3-Leitlinien - herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologieund Beatmungsmedizin - empfehlen bei der Indikation „leicht- bis mittelgradige AECOPD“ mit pH7,30 – 7,35 den frühzeitigen Einsatz einer NIV. Dabei ist darauf zu achten, dass besonders während der Adaptationsphase, d. h. innerhalb derersten 1 – 2 Stunden der NIV, eine ausreichende Ventilation sichergestellt wird und sich ein Effekt der Beatmung zeigt. Auf niedrigem Niveau stabile pH-Werte und ein stabil erhöhter PaCO2könnenwährend der NIV-Adaptation auch länger als 2 Stunden tole-riert werden, wenn sich der klinische Zustand des Patientenund andere Erfolgskriterien bessern.

 

Eine der frühesten randomisierten Studien zur Anwendung von NIV bei Patienten mit akuten Exazerbationen einer COPD wurde in Frankreich von Dr. Laurent Brochard et al. durchgeführt. In dieser Studie wurden 74% der Patienten der Standardtherapiegruppe zugewiesen und intubiert. 26% der Patienten hingegen wurden der NIV-Gruppe zugewiesen. Diese Studie zeigte einen großen Unterschied hinsichtlich des Patientenzustands in beiden Gruppen nach einer Stunde. Patienten in der Standardtherapiegruppe wiesen eine signifikante Verschlechterung der Enzephalopathie-, PH- und PCO2-Werte auf, wohingegen die NIV-Gruppe signifikant verbesserte Enzephalopathie-, PH- und PCO2-Werte sowie Verbesserungen bei der Atemfrequenz aufwies. Zu dieser Zeit verlangten die meisten NIV-Protokolle die Beurteilung der Patienten nach einer Stunde aggressiv titrierter nichtinvasiver Atmungsunterstützung, um festzustellen, ob es zu einer Verbesserung von Patientenzustand, Dyspnoe und Blutgasen gekommen ist.²


Die Literatur liefert ebenfalls Belege, die zeigen, dass NIV nicht nur effektiver im Hinblick auf den klinischen Behandlungsausgang ist, sondern auch kostengünstiger. In Anbetracht eines zunehmenden Kostendrucks auf die Gesundheitssysteme könnte dies NIV noch attraktiver werden lassen. In einer Studie aus dem Jahr 2000 wurde nachgewiesen, dass für Patienten mit akuter respiratorischer Insuffizienz der Einsatz von NIV plus Standardtherapie nicht nur die effektivste Behandlung ist, sondern auch zu einer Kostensenkung führen kann, vorausgesetzt, es findet eine sorgfältige Patientenauswahl statt.³

 

 

Trotz der offensichtlichen Belege, die ihren Einsatz stützen, wird NIV nur selten eingesetzt.

Wussten Sie...?

 

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (chronic obstructive pulmonary disease, COPD) stellt in Anbetracht ihrer hohen Prävalenz, übermäßiger Kosten für das Gesundheitswesen und signifikanter Mortalität eine hohe weltweite Gesundheitsbelastung dar (Halbert et al 2006; Jemal et al 2005; Mannino et al 2007). Kürzlich durchgeführte Metaanalysen und große multinationale epidemiologische Untersuchungen, die unter Verwendung anerkannter spirometrischer Vorgaben in vielen Regionen der Welt durchgeführt wurden, legen nahe, das die Prävalenz der COPD unterschätzt wurde.

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