NIV auf der Intensivstation

Die meisten Studien zu den Vorteilen von NIV wurden auf einer Intensivstation oder einer Überwachungsstation durchgeführt. Die Intensivstation mit ihren Überwachungsvorrichtungen, rund um die Uhr zur Verfügung stehendem Personal und geschulten medizinischen Mitarbeitern sowie der Möglichkeit einer schnellen Intubation im Falle eines NIV-Versagens, bietet zweifelsohne gute Voraussetzungen für den erfolgreichen Einsatz von NIV. Wobei vor Allem auf der Intensivstation großes Interesse an NIV bestehen sollten, denn diese Therapieform kann ventilator-assoziierte Pneumonie verhindern. Obwohl in den letzten Jahren NIV auf der Intensivstation an Bedeutung gewonnen hat, wird sie in dieser Umgebung oftmals nicht ausreichend eingesetzt. Flexible Gerätelösungen bieten dabei optimale Voraussetzungen für NIV auf der Intensivstation.

 

Einige Krankenhäuser berichten, dass sie bei akuter respiratorischer Insuffizienz häufiger NIV als invasive Beatmung einsetzen, was dazu führt, dass sie die optimale Nutzung der Intensivstation überdenken. Andere Krankenhäuser weltweit berichten, dass ihre Intensivstationen chronisch überbelegt sind. In Anbetracht des zunehmenden Drucks, Patienten von der Notfallstation auf eine andere Station zu verlegen, suchen viele Krankenhäuser nach alternativen Bereichen, in denen NIV bei bestimmten Kategorien von akuter respiratorischer Insuffizienz eingesetzt werden kann.

 

Eine häufige Sorge in Bezug auf NIV, sowohl auf der Intensivstation als auch außerhalb, ist die zusätzliche Arbeitsbelastung, die in frühen Studien vermutet wurde. International Consensus gibt an, dass die NIV-Therapie anscheinend nicht zu einer höheren Arbeitsbelastung für das Pflegepersonal oder den Atemtherapeuten führt.¹

 

Es darf darauf hingewiesen werden, dass die Ausbildung und Erfahrung des Personals wichtiger sind als der Standort im Krankenhaus, an dem NIV eingesetzt wird, wie von Elliott et al. festgestellt wurde.²

 

Die ventilator-assoziierte Pneumonie stellt eine große Herausforderung auf der Intensivstation dar. Zwischen 10 und 20% der Patienten, die eine mechanische Beatmung von > 48 Stunden erhalten, entwickeln eine ventilator-assoziierte Pneumonie. Patienten mit einer ventilator-assoziierten Pneumonie besitzen im Vergleich zu entsprechenden Patienten ohne ventilator-assoziierte Pneumonie eine doppelt so hohe Mortalitätsrate und weisen eine wesentlich längere Verweildauer auf der Intensivstation auf.³

 

Es besteht daher ein großes Interesse, eine Intubation zu vermeiden und stattdessen eine NIV-Behandlung durchzuführen. Es liegen deutliche Belege dafür vor, dass für NPPV geeignete Patienten von einer solchen Behandlung profitieren können, da bei ihnen seltener Lungeninfektionen auftreten, sie seltener intubiert werden müssen und eine geringere Mortalität aufweisen.

 

Erfahren Sie mehr darüber, wie NIV hier zur Vermeidung der Intubation beitragen kann.

Kontraindikationen der nichtinvasiven Beatmung

Absolute Kontraindikationen

 

  • Herz- oder Atemstillstand
  • Nicht-respiratorisches Organversagen (z.B. gastrointestinale Blutung, hämodynamische Instabilität...)
  • Obstruktion der oberen Atemwege
  • Notwendiger Schutz der Atemwege
  • Instabilität beim Sekretauswurf
  • Gesichtschirurgie oder -trauma

 

Relative Kontraindikationen

 

  • Koma und schwere sensorische Beeinträchtigung
  • Erregung oder Diaphorese
  • Schwere Hypoxie (z.B. PaO2/FiO2 < 100)
  • Stark eingeschränkte Spontanatmung

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Quellen

 

1: International Consensus Conferences in Intensive Care Medicine: Noninvasive Positive Pressure Ventilation in Acute Respiratory Failure. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, Vol. 163, No. 1 (2001), 283-291

 

2: Elliott, MW., Confalonieri, M., Nava, S. Where to perform noninvasive ventilation?. Eur Respir J, 2002; 19: 1159–1166

 

3: Safdar, N., Dezfulian, C., Collard, HR., Saint, S. Clinical and economic consequences of ventilator-associated pneumonia: A systematic review. Crit Care Med 2005 Vol. 33, No. 10: 2184-2193

 

4: Hess D. Noninvasive positive-pressure ventilation and ventilator-associated pneumonia. Respir Care. 2005;50(7): 924-929

 

5: Evans TW. International Consensus Conferences in Intensive Care Medicine: Non-invasive positive pressure ventilation in acute respiratory failure. Intensive Care med. (2001):27: 166-178

 

6: Scala R., Naldi M., Nava S. Non-invasive positive pressure ventilation in COPD patients with acute hypercapnic respiratory failure and altered level of consciousness. Chest (2005): 128: 1657-1666

 

7: Constantin, JM., Schneider, E., Cayot-Constantin, S., et al. Remifentanil-based sedation to treat non-invasive ventilation as a first-line intervention for acute respiratory distress syndrome. Crit Care Med (2007): 35: 18-25

 

8: Antonelli, M., Conti, G., Esquinas, A., et al: A multiple-center survey on the use in clinical practice of noninvasive ventilation as a first-line intervention for acute respiratory distress syndrome. Crit Care Med (2007): 35: 18-25

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Trotz der vielen, wissenschaftlich validierten Vorteile, wie der Linderung von Beschwerden für den Patienten, der Verringerung der Mortalität und der Vermeidung von Kosten, wird nichtinvasive Beatmung (Noninvasive Ventilation, NIV) in vielen Krankenhäusern noch zu selten eingesetzt. Diese Website soll den Einsatz von NIV fördern, indem über die zahlreichen Situationen berichtet wird, in denen NIV zu einem besseren Behandlungsausgang führt. Gleichzeitig soll über die Faktoren informiert werden, die für eine erfolgreiche NIV ausschlaggebend sind.
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